PSYCHOTHRILLER „Side Effects“ : Die Krankmacher

Horst E. Wegener
Foto: Senator
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Vier Jahre Knast liegen hinter Martin Taylor (Womanizer Channing Tatum, rechts), die der Anlageberater wegen Insiderhandels abzusitzen hatte. Seiner Gattin haben der finanzielle und gesellschaftliche Absturz sichtlich zugesetzt: Emily (Rooney Mara, links) leidet an schwersten Depressionen, die auch mit Psychopharmaka kaum in den Griff zu kriegen sind. Der von ihr konsultierte New Yorker Psychologe Jonathan Banks (sophisticated: Jude Law) verordnet Medikamente, die Mrs. Taylor appetit- und lustlos machen, sie sogar in einen Selbstmordversuch treiben.

Schockiert und nach Rücksprache mit der früheren Ärztin (kühl: Catherine Zeta-Jones) seiner labilen Patientin lässt sich Banks auf das Verschreiben eines brandneuen Mittels ein. Das scheint endlich zu wirken, lässt die Depressive wieder Lust am Leben empfinden. Allerdings unterschlägt Emily Nebenwirkungen wie extreme Stimmungsschwankungen, Schlafwandeln, Blackouts. Eines Nachts wacht sie neben der Leiche ihres Mannes auf. Und kann sich nicht daran erinnern, Martin erstochen zu haben. Ist es ihre Schuld? Oder die der Medikamente?

Im Verlauf des Prozesses sieht sich Dr. Banks zusehends einer Rufmordkampagne ausgesetzt, die von Emilys einstiger Ärztin geschürt wird. Ohne Rückhalt durch seine Frau oder seitens der New Yorker Kollegen steht der Brite vor dem privaten und beruflichen Aus. Er entschließt sich, ums Überleben zu kämpfen – koste es, was es wolle.

„Side Effects“ bietet die packende Inszenierung eines brisanten Themas mit überragenden Schauspielern. Zusammen mit Drehbuchautor Scott Z. Burns entwickelt Steven Soderbergh – der sich angeblich nach diesem letzten Film vom Kino abwenden will – einen Thriller, der den Zuschauer in ein cleveres Verwirrspiel zwischen einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Pharmaindustrie, den mitunter arg gewissenlos agierenden Ärzten und den tricksenden und lügenden Patientinnen und Patienten hineinzieht.

So virtuos, wie das hier bereits zum dritten Mal zusammenarbeitende Team Soderbergh/Burns seine Plotrochaden – inklusive Rückblenden und Täuschungen – setzt, fragen wir uns bald, wer da in „Side Effects“ wen genarrt hat. So mausert sich das irritierend unterhaltsame Neo-Noir-Psychodrama zu einem Film, den man mit Gewinn mehrfach ansehen kann. Virtuos. Horst E. Wegener

USA 2013, 106 Min., R: Steven Soderbergh,

D: Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum

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