Zeitung Heute : Puschendesign

Meike Böhme macht Filzlatschen flott

Inge Ahrens

Cocoon, Coquette, Plié oder Julie heißen die Filzschläppchen von Meike Böhme. Das klingt französisch und ist doch Made in Berlin. In traditionellen Handwerksbetrieben werden die Puschen der 29-jährigen Industriedesignerin gefertigt. In der Berliner Hausschuh & Pantoffel-Manufaktur Jünemann sind das mehr als tausend Paare im Jahr. Der Rest kommt aus einem eingesessenen Familienunternehmen in Sachsen- Anhalt.

Jünemann existiert bald seit hundert Jahren. Vater Günter und Sohn Reno machen seit jeher die braunkarierten Filzschlappen mit der gekettelten Borte, die jeder kennt – 50 Paar am Tag. Das ist die Obergrenze. Jünemann war genau der Betrieb, den Meike Böhme suchte, als sie mit dem Designer Hermann Weizenegger das Puschenprojekt aufzog. In Potsdam ist die Württembergerin nach dem Studium hängen geblieben – und beim Jünemann’schen Qualitätsbetrieb am Ende des Projektes auch.

Bei Jünemanns im Souterrain wird alles mit der Hand gemacht, nur die Sohlen aus Wollfilz drückt der Senior mit der betagten Stanze heraus. Die rattert schon seit 70 Jahren Vertrauen erweckend. Bei Günter Jünemann sitzt jeder Griff. Statt Karoschick wie sonst immer, geht wollweißer Filz durch seine Hände oder kohlrabenschwarzer, lindgrüner, kirschroter, wenn er für Meike Böhme produziert.

Ihr Modell „Simple“ ist, wie der Name schon sagt, von der schlichten Sorte, hat aber eine leuchtende Innensohle. „Cocoon“ hat sie zur Spitze hin mit pinkfarbenen Fäden umsponnen. „Coquette“ spielt mit einem Riemchen überm Rist, und „Plié“ ziert ein breites Satinband, das die Fesseln der Trägerin dekorativ umwindet. Die Modelle kosten zwischen 42 und 46 Euro. Auch für Kinder kann man demnächst eigene Modelle über den Onlineshop bestellen.

Meike Böhmes von Jünemann gefertigte Puschen haben eine durchgenähte Laufsohle und sind selbstredend über den Leisten gezogen und festgezwickt, wie sich das gehört nach Schuhmacherart. Der rechte Puschen wie der linke und umgekehrt. Zwei von derselben Sorte. Die weitere Entwicklung wird sich zu Hause beim Reinschlüpfen finden. Der Fuß gibt die Richtung an.

2003 gründete Meike Böhme das Label Puschn; ihre Filzlatschen verkauft sie längst in alle Welt: am meisten ins frische Norddeutschland, ins ländliche Bayern, nach Österreich und in die traditionsverbundene Schweiz. Ganz besonders lieben die Japaner die Schlappen.

Für Meike Böhme ist es eine ständige Herausforderung, den sonst eher hausbackenen Filzschuhen einen modernen Pfiff zu geben. Der Erfolg gibt ihr Recht. Nahezu 20 000 Paare gehen jedes Jahr auf den Markt. „Die Puschen sind mein Türöffner für das, was noch kommt.“ Als Nächstes ist das Modell „Berliner“ dran.

Puschen von Puschn gibt es in Berlin bei Parkhaus, Immanuelkirchstr. 32 und Ruby Designliving Oranienburger Straße 66 (Mitte). Infos unter www.puschn.de.

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