• Putzen wir richtig? Die Zeitschrift „Ökotest“ hat 30 Zahnpasten untersucht und allerlei Belastendes entdeckt. Nun kritisieren Zahnärzte den Test.

Zeitung Heute : Putzen wir richtig? Die Zeitschrift „Ökotest“ hat 30 Zahnpasten untersucht und allerlei Belastendes entdeckt. Nun kritisieren Zahnärzte den Test.

Marion Kerstholt

Bis 2005 ist noch Zeit. Zeit zum Lernen, wie die Zähne am besten gepflegt werden. Denn dann sind die Patienten selbst verantwortlich. Nach dem Gesetzentwurf der Gesundheitsreform müssen sie den Zahnersatz aus eigener Tasche bezahlen. Vielleicht hat die Zeitschrift „Öko-Test“ das zum Anlass genommen, in ihrer Augustausgabe 30 Zahnpasten zu testen. Sie wurden auf Inhaltsstoffe untersucht, die im Verdacht stehen, Allergien auszulösen, die Schleimhaut zu reizen oder mit Giftstoffen verunreinigt zu sein.

Das Ergebnis ist überraschend: Nur sechs der getesteten Pasten wurden mit der Note sehr gut ausgezeichnet. Darunter Produkte aus Reformhäusern, aber auch eine Zahnpasta aus einem Discounterregal. Dagegen erhielten einige führende Marken wie Colgate Kariesschutz, Dentagard oder Odol-med 3 nur ein mangelhaft oder sogar ungenügend.

Zahnärzte begegnen der Untersuchung allerdings sehr kritisch. Sie bemängeln, dass die falschen Maßstäbe angelegt wurden. „Öko-Test“ hat die Wirksamkeit von Zahnpasten nicht getestet, sondern lediglich deren Inhaltsstoffe bewertet. Diese Bewertung enthält falsche Verallgemeinerungen“, schreibt Gisela Hetzer, Leiterin der Kinderzahnheilkunde an der Technischen Universität Dresden, in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Eine Frage der Ernährung

Die Zahnärzte beanstanden besonders, dass zwei der sechs empfohlenen Zahnpasten kein Fluorid enthalten. „Die Anwendung von Fluoriden ist neben einer ausgewogenen Ernährung und der professionellen bzw. häuslichen Mundhygiene ein wesentlicher und unverzichtbarer Eckpfeiler der oralen Prävention“, stellt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer fest. Die Erfolge bei der Kariesvorsorge dürften nicht durch solche verunsichernden Aussagen in Frage gestellt werden. Zumal die in Deutschland vertriebenen Zahnpasten entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen für Zahn- und Mundhygieneprodukte gesundheitlich unbedenklich seien.

Bis vor etwa 10 000 Jahren war Mundhygiene noch kein Problem der Menschheit. In der Nahrung befanden sich viele faserige Pflanzenteile, die die Zähne beim Kauen automatisch reinigten. Und Kohlenhydrate – die Hauptursache für Zahnprobleme – aßen unsere Vorfahren eher wenig. Erst als sich die Ernährungsgewohnheiten änderten und gekochte Getreidebreis den Speiseplan bestimmten, breitete sich der Karies aus. Heute sind 99 Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen.

Eine Impfung gegen Karies

Für die Reinigung der Zähne ist die Zahnpasta unerlässlich. Wasser und Zahnbürste können nur grobe Plaquebeläge entfernen. Erst die Creme mit ihren Putzkörpern ermöglicht es, auch das Pellikel zu beseitigen. Diese Schmierschicht aus Speichel, toten Bakterien und Farbstoffen aus Kaffee oder Nikotin setzt sich als erste auf den Zähnen ab. „Ohne diese Schicht könnten sich die Bakterien nicht anheften“, erklärt Rainer Seemann, vom Zentrum für Zahnmedizin der Charité.

Wie gut eine Zahnpasta die unerwünschten Beläge von den Zähnen schält, kann man in den Tests der Stiftung Warentest nachlesen. Sie bewertet die so genannte Abrasivität (Scheuerkraft) der Putzmittel. In Zukunft könnten Zahnpasten allerdings völlig aus den Badezimmern verschwinden. Denn Forscher arbeiten schon fieberhaft an Alternativen der Mundhygiene. Sie versuchen das Übel grundsätzlich auszurotten. „Karies wird ja von bestimmten Bakterien im Mund verursacht. Es wäre denkbar, gegen diese Mikroorganismen eine Impfung zu entwickeln“, sagt Rainer Seemann. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass Antikörper gegen die Kariesbakterien von Kühen produziert würden. Dann könnte man seine Kariesvorsorge mit einem täglichen Glas Milch bestreiten.

www.oekotest.de

www.bundeszahnaerztekammer.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar