Quadfahren : Wie James Bond durch die Lausitz

Quadfahren macht Spaß, vor allem im alten Tagebau. Im rauen Gelände macht so ein Quad erst richtig Spaß.

Claus-Dieter Steyer
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Fest im Sattel. Quadfahrer kommen überall durch. Foto: Claus-Dieter Steyer

Die Entscheidung am Bahnhof der zweieinhalb Stunden südlich Berlins gelegenen Stadt Großräschen fällt nicht schwer: die Bequemen nehmen in die Lausitzer Tagebaulandschaft den Bus, die Abenteurer steigen aufs Quad. Als sich die jeweils fünfköpfigen Gruppen allerdings etwas näher betrachten, erregt eine ältere Dame die Aufmerksamkeit. „Ich habe mich ganz bewusst für die Mutigen entschieden oder darf ich das etwa mit meinen knapp 70 Jahren nicht mehr?“, sagt sie voller Begeisterung. „Ich habe zwar noch nie auf so einem Gefährt gesessen, aber gerade deswegen reizt es mich.“ Gesagt, getan. Im normalen Jeep fährt der Tourenveranstalter Andreas Ittmann seine Gruppe „ans Ende der Welt“. Nur im rauen Gelände mache schließlich so ein Quad wirklich Spaß. Auf normalen Straßen brauche man kein „Motorrad auf vier Rädern“, wie der junge Mann das Quad umschreibt.

Nach kurzer Fahrt stehen seine Teilnehmer neugierig im Hof eines Gasthofs in Klein Partwitz direkt an der brandenburgisch-sächsischen Landesgrenze vor diversen Maschinen. Die Auswahl ist so schnell getroffen wie die Verwandlung der Großstädter in Rennfahrer. Die Einweisung in die Technik kann beginnen.

Die Quads wurden einst im Auftrag der Militärs entwickelt, damit sich Soldaten schnell auf unwegsamem Gelände bewegen konnten. „Heute können wir uns wie James Bond fühlen“, meint ein junger Mann. Die Vorfreude steigt. Nach einigen Proberunden auf dem Gelände hinter dem Gasthof beherrscht die ganze Gruppe die anfangs etwas ungewohnte Lenktechnik. Man sitzt wie auf einem Motorrad, kann sich aber keineswegs in die Kurven legen. Dafür behindern weder Schlaglöcher noch Bodenwellen und erst recht keine dicken Sandschichten auf den Wegen das Weiterkommen.

Diese Vorzüge zeigen sich erst recht auf der Tour durch die Lausitzer Tagebaulandschaft, die Andreas Ittmann als „Ende der Welt“ bezeichnet hatte. Jahrzehntelang hat der Mensch hier für den Abbau von zwölf Meter starken Kohleflözen die Erde gründlich durcheinandergewühlt. Der sogenannte Abraum aus den einige hundert Meter langen Tagebauen verformte sich durch Wind und Wetter auf eine bizarre Art und Weise.

Mit viel Gas und geschickten Lenkbewegungen bewältigt die kleine Quad-Kolonne einen steilen Anstieg, um durch eine interessante Aussicht belohnt zu werden. Auf der einen Seite liegt der aktive Tagebau Welzow-Süd, während daneben schon die völlig neue Landschaft entsteht. In die bis zu 60 Meter tiefen Gruben fließt nach dem Ende des Kohleabbaus Wasser aus dem Untergrund sowie aus der Spree und der Neiße. Der Partwitzer See, auf dessen künftiger Uferstrecke die Quads ihre ganze Stärke beweisen, gehört zur künftigen Lausitzer Seenkette aus rund 20 Gewässern.

Die Gesamtfläche aller zwischen 2015 und 2018 entstehenden Seen entspricht in etwa der der Insel Usedom. „Schiffbare Kanäle zwischen neun Seen eröffnen für den Wassersporttourismus völlig neue Perspektiven“, sagt Andreas Ittmann während einer Pause. Erst beim Öffnen der dunklen Scheibe an den Schutzhelmen zeigen sich die Gesichter der Teilnehmer. Denn unterwegs gab es keinen Unterschied – die Frau um die 70 fährt genauso verwegen wie der junge Heißsporn.

Allerdings kommt ohnehin niemand über Tempo 40 hinaus. Höhere Geschwindigkeiten lassen die Kurven und die Anstiege gar nicht zu. Zur guten Laune trägt das gute Gefühl bei, keine empfindliche Natur zu zerstören. Die meisten Fahrwege verschwinden über kurz oder lang entweder in den Fluten neuer Seen oder in den Schaufeln der großen Kohlebagger. Am Ende hat sich die Entscheidung für alle Teilnehmer gelohnt. „Die Tagebaulandschaft war eine echte Entdeckung und das Motorrad auf vier Rädern wird bestimmt noch oft ausgeliehen“, lautet das Fazit der ältesten Abenteurerin.Claus-Dieter Steyer

Auskünfte zu Quadtouren: Quadcenter Andreas Ittmann, Tel. 0162 - 40 67 381, www.gasthof-zum-anker.de

Bergbautouren zu Fuß, mit dem Rad, dem Jeep oder mit dem Lkw: Bergbautourismusverein Welzow, Tel. 035 751/ 281 10, www.bergbautourismus.de

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