Zeitung Heute : Qualität zählt mehr als Geld - Imme de Haen weist Leicht-Kritik zurück

Die Zukunft der Evangelischen Journalistenschule steht auf dem Spiel. Es ist nicht mehr gewährleistet, dass die knapp 700 000 Mark pro Jahr, die die Journalistenschule bisher kostete, auch in Zukunft aufzubringen sind. Dies veranlasste Robert Leicht, selbst Mitglied des Rates der EKD, im Tagesspiegel vom 2. März 2000 die Frage zu stellen, ob es überhaupt verantwortlich ist, mit einem derart niedrigen Budget eine Journalistenschule zu betreiben. Leicht denkt an seine eigene Tochter, die gerade Abitur macht: Käme sie mit dem Plan zu ihm, sich auf ihr ganzes Berufsleben in einer Institution vorzubereiten, die mit derart begrenzten Ressourcen arbeitet, würde er ein sehr besorgtes Gespräch mit ihr suchen. Dazu heute die Reaktion von Imme de Haen, seit 1995 Leiterin der Evangelischen Journalistenschule.

Nun haben wir es schwarz auf weiß: nicht zu teuer war die Evangelische Journalistenschule, nein, zu billig! Für das bisschen Geld, das man der Journalistenschule seit Anbeginn zugestanden hatte, kann man, so Robert Leicht, keine verantwortliche grundständige Journalistenausbildung machen. Wirklich nicht? Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien Robert Leicht die Qualität einer Journalistenausbildung bewertet, ich kann aber unsere nennen: die Dauer der Ausbildung, die Gruppengröße, die Qualität der Dozenten, die technische Ausstattung, die Integration von Theorie und Praxis, der berufliche Erfolg der Absolventen. In all diesen Punkten bescheinigt man der Evangelischen Journalistenschule einen hohen Standard.

Sicher, wir verweisen unsere Dozentinnen und Dozenten auf Billigflüge und Bahnfahrten 2. Klasse. Wir sind froh, wenn sie bei Freunden statt in Hotels übernachten. Vor allem aber würden wir ihnen gerne angemessene Honorare zahlen und ihre Sympathie für die Evangelische Kirche nicht so schamlos ausnutzen, um die Höhe der Honorare zu drücken. Auf die Qualität ihres Unterrichts haben diese Umstände keine Auswirkungen - im Gegenteil. Sie kommen zu uns, nicht weil sie "eingekauft" werden, sondern weil sie eine hoch motivierte, lernbegierige Gruppe erwarten können, die anregende Diskussionen und spannende Sachauseinandersetzungen verspricht.

Sicher, wir hätten uns von Anfang an vor allem eine personelle Besetzung gewünscht, die nicht ständig an die Grenze unserer Belastbarkeit und darüber hinaus geht und auch mal einen Krankheitsfall unter den Kolleginnen verkraften kann. Aber wir tun alles, um eine anspruchsvolle Journalistenausbildung unter den gegebenen Umständen zu realisieren. Die Unterstützung durch das unermüdliche, selbstlose Engagement der Mentorinnen und Mentoren ist dabei von zentraler Bedeutung für uns und die Volontärinnen und Volontäre.

Sicher, das Geld ist immer knapp - aber dem Zusammenhalt der Gruppe, dem sozialen Lernen, schadet das nicht. Und an all dem, was zur Sicherung der Qualität der Ausbildung wichtig ist, wird nicht gespart. Die Schule hat eine gut ausgestattete Bibliothek. Sie verfügt über acht Cutmaster-Schnittplätze für 16 Volontäre (zum Vergleich: die renommierte Akademie für Publizistik in Hamburg hat nur einen einzigen). Internet-Recherche war von Anfang an selbstverständlich und jederzeit möglich. Auf den Reisen der Schule nach Brüssel oder Genf übernachtet die Gruppe in Mehrbettzimmern in der Jugendherberge, falls die Reise nicht überhaupt von Dritten finanziert wird.

Ich denke, die Schüler lernen bei uns nicht nur professionellen Journalismus, sie lernen auch, dass nicht alles für Geld zu haben ist, eine Tatsache, die in unserer heutigen Gesellschaft allzu leicht in Vergessenheit gerät. Sie lernen, dass man eine verantwortliche Ausbildung überhaupt nicht "kaufen" kann. Dazu hat sie zu viel mit Persönlichkeit zu tun. Und die formt sich über einen längeren Zeitraum in manchmal mühsamen Prozessen - wie eben auf der Evangelischen Journalistenschule.

Eine Anmerkung zum Schluss: Die Sorge von Robert Leicht um die Zukunft seiner Tochter ist unbegründet. Selbst wenn sie sich für die Evangelische Journalistenschule interessierte, sie könnte bei uns nicht ausgebildet werden: Wir nehmen nämlich keine frischgebackenen Abiturienten, sondern nur Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung. So steht es in unserem Prospekt, den wir Robert Leicht für seine Recherchen zur Lektüre empfohlen hätten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben