Zeitung Heute : Qualität zählt

Der Wochenmarkt in Frohnau hat eine feste Stammkundschaft

Rainer W. During

„Und wie war der Urlaub an der Ostsee?“ Auch wenn die Kunden häufig Schlange stehen, nimmt sich Sylvia Wolf Zeit für ein Schwätzchen. Man kennt sich auf dem Wochenmarkt an der Burgfrauenstraße.

Viele Frohnauer haben schon in den 60er Jahren bei den Schwiegereltern der Händlerin Geflügel und Eier gekauft. Seit ihrer Hochzeit 1974 steht Sylvia Wolf selbst hinter dem Tresen. „Ein gutes Suppenhuhn muss zwei Jahre alt sein“, sagt sie. In den meisten Läden gebe es nur noch viel zu junge Hähnchen. Doch nicht nur wegen der Hühner kommen die Stammkunden. Genauso gelten die hausgemachten Putenbuletten als Geheimtipp.

Der Frohnauer Wochenmarkt besteht seit 57 Jahren. Damals gab es auf dem Pachtgelände neben dem Frohnauer Bahnhof lange Reihen mit 70 Holzständen. „Als die Baracken abgerissen wurden, haben viele Kunden getrauert“, erinnert sich Sylvia Wolf. Die Händler dagegen freuten sich darüber, weil der Markt viel sauberer wurde. „Die Baracken würden heute nicht mehr genehmigt werden“, sagt Ralf Hengstmann. Mit seinem Partner betreibt er hier seit 1977 den Blumenstand. Als der damalige Marktbetreiber vor zehn Jahren das Handtuch warf und der Frohnauer Institution das Aus drohte, übernahm er den ganzen Markt in eigener Regie.

„Wir sind einer der letzten privaten Wochenmärkte in Berlin“, sagt Hengstmann. Geöffnet ist donnerstags bis sonnabends von 8 bis 13 Uhr, Blumen- und Gemüsehändler sind hier auch montags und dienstags zu finden. Sonnabends wächst die Zahl der Händlerstände auf bis zu 17.

„Wenn man hier Fuß fassen will, muss man einen langen Atem haben“, weiß der Marktchef. „Ware, Preis und Zuverlässigkeit müssen stimmen.“ Ob Fisch oder Wurst, Backwaren oder Honig, die Frohnauer wissen das Angebot zu schätzen. Zwar ist der Platz nie überlaufen, doch gibt es so gut wie keine Besucher, die sich nur umschauen wollen. Wer kommt, tut dies regelmäßig und um zu kaufen: Kunden, die frische Qualität der Massenware in den oft billigeren Supermärkten vorziehen.

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