Zeitung Heute : Quellenkritik

Der Tagesspiegel

Weißensee. Die geplante Schließung des Spreequell-Mineralbrunnens in Berlin gerät zur Kraftprobe zwischen Senat und Geschäftsleitung. Während die Wirtschaftsverwaltung verstärkt Druck auf Spreequell und den Mutterkonzern Brau und Brunnen AG ausübt, um einen Wegzug nach Brandenburg zu verhindern, verteidigt die Firmenleitung ihre Pläne mit Verweis auf die hohen Kosten der Produktion in Weißensee.

Nach einem Gespräch mit Betriebsrat und Gewerkschaft hatte die Dortmunder Konzernzentrale zwar eine Prüfung der Pläne angekündigt, aber die Berliner Geschäftsleitung bezeichnete das Gespräch als „nicht sehr sachlich“ und verwies nur auf den für den 7. März erwarteten Aufsichtsratsbeschluss.

In der Spreequell-Geschäftsleitung ist von einer „Summe von Standortnachteilen“ die Rede – beispielsweise wegen der so genannten Grundwasserentnahmegebühr, die in einigen Bundesländern, darunter in Brandenburg, nicht erhoben wird. In Berlin dagegen beträgt sie rund 30 Cent pro Kubikmeter. Das ist nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Spitzenwert im Bundesvergeich. Eine Befreiung für Unternehmen, wie sie beispielsweise in Hessen praktiziert wird, wäre erst nach einer Gesetzesänderung möglich. Nach einer Berechnung von Spreequell schlägt die Gebühr mit rund 67000 Euro jährlich zu Buche. Hinzu kämen Kosten, die „in der Stadt einfach teurer sind als auf dem platten Land“ und vor allem aus dem mit gut 70000 Quadratmetern unnötig großen Grundstück an der Indira-Gandhi-Straße resultierten – etwa für Bewachung und Straßenreinigung.

Nach Vorstellung von Spreequell-Geschäftsführer Frank Arndt könnten auf dem Areal beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten entstehen. Doch das wollen die anderen Beteiligten offenbar mit vereinten Kräften verhindern: Ein Sprecher von Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) sagte, die Umwidmung des Industriegeländes sei problematisch. Die angekündigte Kompromissbereitschaft des Landes solle den Erhalt des Standortes erleichtern, aber nicht dessen Aufgabe. Ähnlich äußerte sich Severin Höhmann, Büroleiter von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD). Er kritisierte die Spreequell-Pläne als unausgereift und beklagte, dass die Geschäftsleitung bisher „kein Wort“ mit den Baubehörden gewechselt habe. Auch ein Brief Thierses an Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann vom vergangenen Donnerstag sei bisher unbeantwortet geblieben. Stefan Jacobs

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