Zeitung Heute : Quittung vom Patienten

Der Tagesspiegel

Zur Erinnerung: Florian Gerster, der neue Chef der Bundesanstalt für Arbeit, hatte auch gesundheitspolitische Ambitionen. Mit seinen Ideen hat der vormalige Landesminister seiner Bundesministerin derart Dampf gemacht, dass ihn viele schon zu Ulla Schmidts Nachfolger ausriefen. Der Modellversuch, mit dem Rheinland-Pfalz seinen Ärzten nun Patientenquittungen verordnet, ist sein Vermächtnis. Fragt sich bloß, warum das Gegenzeichnen nicht längst gängige Praxis ist. Denn vor jeder anderen Reform benötigt unser Gesundheitssystem zweierlei: mehr Transparenz und Qualitätskontrolle. Pro Jahr verursachen betrügerische Ärzte Schäden im dreistelligen Millionenbereich. Was spricht dagegen, den Kassen Einblick in Einzelabrechnungen zu geben, anonymisiert selbstredend? Oder auch gesetzlich versicherte Patienten zum Quittieren ärztlicher Leistungen zu verpflichten? Der Versuch wird zeigen, dass es Patienten nicht egal ist, wie viel die Kasse für sie berappen muss. Sie werden Fragen stellen, sie werden sich ärgern über die hohen Kosten mancher in ihren Augen unnötigen Behandlung. Insofern hätten Patientenquittungen einen schönen Nebeneffekt. Sie könnten das Gespräch zwischen Arzt und Patient wieder beleben. Und Medizinern mit Hang zur teuren Apparatemedizin das Leben ein wenig schwerer machen. raw

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