Zeitung Heute : Quo vadis, RAI?

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Die Neubesetzung des RAI-Verwaltungsrates hat in Italien zu erheblicher Kritik geführt. „Die Zusammensetzung dieses Verwaltungsrates lässt ein großes Risiko für die Demokratie erahnen“, kritisiert etwa Francesco Rutelli, Anführer der oppositionellen Ulivo-Koalition, und beklagte eine unrechtmäßige Einflussnahme der Berlusconi-Regierung auf die Entscheidung. „Es ist ein perfekter Verwaltungsrat, der einen Pluralismus garantiert, der nicht an Parteien gebunden ist“, widersprach hingegen der Minister für Telekommunikation, Maurizio Gasparri. Zufrieden über die Ernennung gab sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Die vorläufige Ernennung der neuen RAI-Verwaltungsräte war gleichwohl eine Zerreißprobe für die Mitte- Rechts-Regierungskoalition. Notwendig wurde die Wahl, weil das Mandat des alten, von der Mitte-Links-Regierung eingesetzten Verwaltungsrates abgelaufen war.

Die Kommentare auf die Ernennung des neuen Verwaltungsrates waren unterschiedlich. Insgesamt neun Tage waren vonnöten, um sich auf die genannten Kandidaten zu einigen. Am Ende drohte gar ein Konflikt zwischen dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Pierferdinando Casini, und dem Präsidenten des Senats, Marcello Pera, die „einen Briefkrieg“ („La Repubblica“) austrugen. Beiden obliegt die Ernennung der Räte.

Der Polit-Entertainer Michele Santoro, der sich mit seiner kritischen Sendung „Sciusci…“ regelmäßig den Zorn der italienischen Regierung zuzieht, fürchtet nun, dass die RAI zum „Komplementärunternehmen“ von Berlusconis privaten Mediaset-Sendern wird. Gerade in Zeiten, in denen die Werbeeinnahmen der RAI merklich zurückgehen, könne der zu erwartende „Konkurrenzverzicht“ der RAI indirekt die Sender von Berlusconi begünstigen. Vincenzo Delle Donne

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