Zeitung Heute : Raab total: Neue TV-Illustrierte von Springer und Brainpool

Ulrike Simon

Mit einem "starken Herausgeber im Rücken", sagt Michael Hopp, entwickle er seit ein paar Wochen eine neue Zeitschrift. Der Herausgeber ist Stefan Raab, die Zeitschrift heißt "TV Total", soll möglichst noch im Spätherbst, wahrscheinlich im Oktober, erstmals auf den Markt kommen, wöchentlich erscheinen und um die drei Mark kosten. Erscheinen wird das Blatt in einem Joint Venture von Brainpool und dem Axel Springer Verlag. Grünes Licht für die Unternehmensgründung gab vergangenen Dienstag der Vorstand des Springer-Verlages. 50 Millionen Mark jährlich will die börsennotierte Brainpool AG, Produktionsfirma von "TV Total", mit dem Blatt umsetzen und sich damit "vom Fernsehproduzenten zum Medienhaus entwickeln", lautet Vorstandschef Jörg Graboschs Strategie.

Das print-unerfahrene Kölner Unternehmen beauftragte das für Zeitschriften-Entwicklungen bekannte Hamburger Büro X, ein Konzept für "TV Total" auf die Beine zu stellen. Doch von einer "gedruckten Version der Show" mag Chefredakteur Hopp nicht sprechen: "Es geht nicht darum, das Konzept, sondern das Lebensgefühl der Show in ein gedrucktes Medium zu übertragen." Das Lebensgefühl einer Generation, "die sich nicht wie wir noch an eine Zeit ohne Fernseher zu Hause erinnern kann und selbst dann lieber das Mickey Mouse-Heftchen in die Hand genommen hat". Show und Zeitschrift richteten sich an die Vertreter jener (Spaß-)Generation, die als erste komplett mit Fernsehen aufgewachsen ist, sich wie Raab darüber amüsiert und mit dem Internet ganz selbstverständlich umgeht. Der Österreicher Hopp erinnert sich da etwa an ein Gespräch, das er in einem Hamburger Café belauschte: Er hatte "TV Total" am Vorabend verpasst, worauf sie sagte, sie habe sich die Show tags drauf im Internet angeschaut. Das seien die Leser, die zur Zeitschrift "TV Total" greifen würden, so Hopp. 300 000 Käufer seien realistisch.

Eine "junge Illustrierte mit dem kompletten Programmteil" (so der Untertitel) soll die Zeitschrift "TV Total" werden. Das Programm werde jedoch zu einem geringeren Anteil Kaufgrund sein. Und auch hier wird sich das Raab-Blatt von gängigen Fernsehzeitschriften unterscheiden: Das TV-Programm werde zwar komplett abgebildet, jedoch mit anderen Schwerpunkten. "Die Zeit der Spielfilm-Zuschauer, die von ihrer Zeitschrift Film-Tipps und Show-View-Zahlen erwarten und sich über beigeklebte Video-Etiketten freuen, ist vorbei", lautet Hopps Meinung. Er muss es wissen, war er doch Chefredakteur der mit Filmen, Show View und Video-Etiketten lockenden "TV Movie". Die 14-täglichen Programmzeitschriften waren die letzten innovativen Gründungen im Segment der Programmzeitschriften. Seitdem bekämpfen sich die Verlage über den Preis. Zugleich alterten die 14-täglichen mit ihren Lesern. Junge Leser zwischen 14 und 29 Jahren werden künftig zu Blättern wie "TV Total" greifen, glaubt Springer-Manager Claus-Dieter Grabner: zu TV-Titeln, die sich ganz speziell an sie richten. So wird "TV Total" nicht spielfilm-fixiert sein, nicht unbedingt die ARD als ersten Sender darstellen. Der eigentliche Kaufgrund für "TV Total" werde jedoch der Mantelteil sein, also die Seiten vor und nach dem Programm. Der Mantelteil soll nicht wie bei anderen Programmzeitschriften "Alibifunktion" haben. Vielmehr soll er dafür sorgen, dass "TV Total" irgendwo zwischen "Max" und "TV Spielfilm" stehen wird, sagt Grabner.

Bei der Suche nach einem Verlagspartner fiel die Wahl von Brainpool keineswegs zufällig auf Springer, auch die Freundschaft zwischen Grabner und Grabosch war nicht ausschlaggebend. Immerhin läuft "TV Total" ja auf Pro 7, einem Sender des Springer-Großaktionärs Leo Kirch. Und außerdem, gibt Grabner zu bedenken, würde kein Verlag, der eine 14-tägliche Programmzeitschrift hat, "TV Total" auf den Markt bringen. Der "Hörzu"-Verlag Springer hatte damals den Trend zu vierzehntäglichen Programmzeitschriften nach Art von "TV Spielfilm" verpasst. Jetzt könnte die Zeit reif sein, aus der bisherigen Not eine Tugend zu machen.

Doch was wird aus der Zeitschrift, wenn die Sendung plötzlich floppt oder Stefan Raab, aus welchen Gründen auch immer, aussteigt? Während Hopp sich ganz sicher ist, dass Raab mindestens so lange weitermachen wird wie heutzutage der Lebenszyklus einer Zeitschrift dauere, also zehn Jahre, findet Grabner, auf Dauer müsse die Zeitschrift auch ohne Raab funktionieren. Doch bislang guckt Raab seinem Chefredakteur noch auf die Finger. Und der freut sich, dass bei seinem Herausgeber nicht nur das Zeitschriftenkonzept, sondern auch sein österreichischer Schmäh ankommt.

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