Zeitung Heute : Rad von Bodewig

Der Tagesspiegel

HINTER DEN LINDEN

Woran denken wir, wenn wir die Zahl 3,5 Millionen hören? Am liebsten an einen Lottogewinn, der uns einen sonnigen Lebensabend in der Karibik ermöglicht. Einer von uns bekommt allerdings Albträume, wenn vor seinem inneren Auge die Zahl 3 500 000 auftaucht: Gerhard Schröder, Kanzler.

Wir erinnern uns: Wahlkampf, vor vier Jahren. Da versprach Schröder, er werde die Zahl der Arbeitslosen in dieser Legislaturperiode auf 3,5 Millionen reduzieren. Mehr als vier Millionen sind es. „Ziel verfehlt“, gab Schröder nun zu. Aber was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Schließlich weiß der Kanzler tüchtige Helfer an seine Seite: etwa den neuen Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster. Wenn der die Vermittlung besser organisiert, macht das schon ein paar Arbeitslose weniger. Oder Finanzminister Hans Eichel. Wenn der streng genug spart und der Aufschwung kommt, macht das wieder ein paar Arbeitslose weniger.

Doch, lieber Herr Bundeskanzler, den entscheidenden Mitstreiter im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit haben Sie bisher übersehen. Kurt Bodewig heißt er. Gestern präsentierte der Verkehrsminister in Berlin den Nationalen Radverkehrsplan.

Radfahren ist nicht nur die beliebteste Freizeitaktivität der Deutschen, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftszweig mit 10 000 Beschäftigten und 1,8 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, erfuhren die staunenden Zuhörer. Fünf Prozent mehr Nachfrage nach Fahrrädern schafft 100 000 zusätzliche Arbeitsplätze, hat Bodewig ausgerechnet. Warum kaufen wir nicht alle einen neuen Drahtesel? Dann dürfte es bald keine Arbeitslosen mehr geben. Da hat Bodewig gewissermaßen das Rad neu erfunden. Cordula Eubel

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