Radarfalle : Langsamer fahren unerwünscht

Wieso sind eigentlich Blitzer-Warnungen in Navigationssystemen verboten, fragt sich unser Kolumnist Helmut Schümann. Widerspricht das nicht dem pädagogischen Ziel der Radarfallen? Oder haben die etwa einen anderen Zweck?

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Der Mann, der Mittfünfziger, versteht lange nicht alles, trotz weitläufiger Geheimratsecken und Brille im Gesicht. Der Mann ist auch Freund des Rades, aber kein Feind des Autos. Mitunter fährt er sogar gerne mit dem Auto, so gerne, dass ab und an Blitzlichter am Straßenrand aufleuchten. Allerdings ausgelöst nicht von Fans und auch nicht als Applaus. Und bezahlen muss er für die unverlangten Bilder auch noch. Das versteht er noch.

Nicht versteht der Mann, dass es Dinge auf der Welt gibt, die gebaut und beworben werden, deren Benutzung aber verboten ist. Also zum Beispiel der Blitzerwarner im Navigationsgerät. Man fährt los, macht das Navigationsgerät an, und wenn irgendwo vorne ein Blitzer für unliebsame, aber teure Fotos steht, dann meldet sich das Gerät. Automatisch, also sehr praktisch. Aber illegal. Der ADAC hat das jetzt warnend hervorgehoben. § 23 Abs. 1b der Straßenverkehrsordnung sagt, dass es verboten ist, „ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören“.

Muss Mann das verstehen? Die Warnung als solche ist übrigens nicht verboten, per Handzeichen darf jeder jeden zur Temporeduzierung anhalten. Die archaische Warnung ist erlaubt, die technisch versierte nicht. Merkwürdig.

Der Mann, der Mittfünfziger, denkt, dass so eine Verkehrsüberwachungsmaßnahme im Grunde ihres Wesens doch eine erzieherische Maßnahme ist. Pädagogik hat ein Ziel, sonst gäbe es sie nicht. Das Ziel in diesem Fall ist es, die Autofahrer zu einer moderaten Fahrweise zu erziehen. Es ist ein bisschen wie früher in der Schule, der Mann, der eingangs erwähnte, erinnert sich. Wenn zum Beispiel das Ziel der Ablativus absolutus war und der Mann das Ziel verfehlt hat, und das hat er oft, wahrscheinlich fingen da schon die Geheimratsecken an zu wachsen, wenn er also das Ziel verfehlte, gab es ein wahres Blitzlichtgewitter. Mit einem Frühwarnsystem wäre ihm geholfen gewesen und viel Leid erspart worden. Und nun fragt er sich, und mit ihm mutmaßlich alle Autofahrer, wo denn die Zielorientierung der Radarfalle bleibt, wenn eine Stimme im Inneren des Autos nicht sagen darf: Nun fahr mal langsamer, da ist was im Busch. Dann würde doch jeder vernünftige Mensch langsamer fahren, und das pädagogische Ziel wäre erreicht. Der Staat nimmt dann allerdings weniger Geld ein. Besser, der Mann fährt wieder Rad.

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