Zeitung Heute : Radieschensuppe

Von Holger Zurbrüggen

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Diese Suppe ist ideal für heiße Tage, da müssen Sie nicht lange in der Küche herumstehen, eine Viertelstunde, 20 Minuten, dann ist alles schon fertig.

Für vier Personen braucht man dafür ein Bund Radieschen, zwei Schalotten, ein Lorbeerblatt, weißen Sellerie und Lauch. Außerdem einen knappen Liter Flüssigkeit, ich nehme am liebsten 200 Gramm Sahne und zirka 600 Milliliter Gemüsefond.

Als Erstes werden die Radieschen vom Grün getrennt, gewaschen und geviertelt. Dann mache ich aus dem Gemüse einen Ansatz: Schalotten und Sellerie in kleine Scheiben schneiden, mit dem Lorbeerblatt in Öl anschwitzen und nach ein paar Minuten mit einem Glas Weißwein ablöschen.

Erst dann kommen die Radieschen dazu, schließlich die Brühe, dann die Sahne. Das lässt man noch zehn Minuten auf niedriger Flamme köcheln und püriert das Ganze am Ende mit dem Mixer.

Im Grunde ist die Suppe schon fertig. Sie müssen nur noch mit Salz abschmecken, für den, der’s mag, bietet sich Selleriesalz an, in Teller gießen und mit Gartenkresse garnieren. Das gibt einen tollen farblichen Kontrast, die Suppe ist ja rosarot. Aber Vorsicht! Die dürfen sie nicht zu lange im Topf stehen lassen, und Aufwärmen geht auch nicht, dann laugt die Farbe aus, und das wäre zu schade.

...und der Nachtisch dazu

Die Suppe ist sehr leicht, da können Sie hinterher noch einen Nachtisch vertragen. Für diese Herrencreme aus dem Münsterland ist es auch höchste Zeit. Die Erdbeerzeit geht ja langsam aber sicher zu Ende. Sie sollten das Dessert aber schon am Nachmittag vorbereiten. Der Pudding muss gut durchkühlen. Aber eins nach dem anderen.

Als Erstes kocht man einen gewöhnlichen Vanillepudding aus einem halben Liter Milch, egal von welcher Firma, das gibt sich nichts. Aber man muss ein Zehntel mehr Pulver nehmen, als auf der Packung steht. Denn es kommen ja noch Rum und Sahne hinzu, dadurch wird die Masse schön cremig.

Aber, wie gesagt, der Pudding muss zuerst im Kühlschrank abkühlen. Dann hebe ich so drei, vier Zentiliter Rum, 150 Gramm geschlagene Sahne (bei dieser Hitze schön langsam rühren, mit der untersten Stufe anfangen, damit Sie keine Butter produzieren) und eine knappe Tafel (60 bis 70 Gramm) grob geriebene bittere Schokolade oder Kuvertüre hinein, am liebsten mag ich die von Valrhona, aber das ist Geschmackssache. Die Creme wird in Schüsselchen gefüllt und obendrauf mit Erdbeeren dekoriert, ganz, in Scheiben oder in Vierteln, wie Sie es schöner finden.

Warum dieses harmlose Dessert Herrencreme heißt? Weil da früher 60- bis 70-prozentiger Rum reinkam und das angeblich nichts für die Damen war. Wenn Sie sich aus Ihrem letzten Österreich-Urlaub also zufällig einen starken Strohrum mitgebracht haben und nicht wissen, was Sie jetzt damit machen sollen: Für die Herrencreme ist er genau richtig.

Holger Zurbrüggen kocht in seinem Restaurant „Balthazar“ am Kurfürstendamm.

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