Zeitung Heute : Ran an den Speck

Wer seinen Rücken durch Bewegung stärken will, sollte sich vor dem Training einige ärztliche Tipps holen

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Sportmediziner empfehlen Bewegung, um den Rücken zu stärken. Doch ein kräftiger Rücken allein reiche nicht, um Beschwerden vorzubeugen. Einige Besonderheiten sollte man beim Rückentraining beachten. Und auch im Alltag könne man viel für die Muskulatur tun:

Wer schon Probleme mit der Wirbelsäule hatte oder hat, sollte sich vor Aufnahme eines gezielten Trainings ärztlichen Rat holen. „Zu Beginn sollte eine ausführliche körperliche Untersuchung stattfinden. Neben einer Haltungsübersicht sollte dabei insbesondere die Funktion der Muskeln überprüft werden“, sagt der Sportmediziner Folker Boldt der den SportGesundheitspark Berlin e.V. leitet. Dass die Muskeln kräftig sind, genügt nicht: Sie müssen im Team auch zuverlässig ihre Funktion erfüllen.

Inzwischen gibt es Möglichkeiten zur computergestützten Muskelfunktionsdiagnostik. Dabei werden mehrere Muskelgruppen getestet, insbesondere die Rückenmuskulatur in verschiedenen Winkelstellungen. Nicht jeder braucht solche aufwändigen Tests. „Doch wenn schon Probleme an der Wirbelsäule und Rückenschmerzen vorliegen, wäre das sehr zu empfehlen“, meint der Sportmediziner Boldt.

Für einen gesunden Rücken sind mehrere Muskelgruppen entscheidend. Zentral ist die gezielte Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur, die zusammen das „Korsett“ für den Rücken bilden. Dazu kommen andere Muskelgruppen, die für die Stellung des Beckens und der Wirbelsäule wichtig sind. „Die Rückenstreckmuskulatur ist ganz wichtig, sie sollte aber immer in Abhängigkeit von ihren Hilfsmuskeln und Gegenspielern gekräftigt werden. Dazu gehört auch das Training der Koordination ganzer Muskelketten“, sagt der Sportmediziner.

„Prinzipiell ist das auch durch sinnvolle Übungen in Eigenregie möglich“, versichert Boldt. Allerdings muss man sich dann informieren, was wirklich sinnvoll ist: „Klappmesser“-Übungen auf dem Boden oder an der Sprossenwand, bei denen der Körper in der Mitte eingeknickt wird, gehören nach heutigem Kenntnisstand nicht dazu.

Gutes Krafttraining bieten Geräte. Doch die Fitnesstudios sind nach Zielsetzung, Geräteausstattung und Personal sehr unterschiedlich. Die Gesundheitsakademie Berlin hat in Zusammenarbeit mit dem Qualitätsbeirat Gesundheitssport der Ärztekammer Berlin Studios zertifiziert, die sich gezielt der Gesundheitsförderung widmen. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, dass man sich beim Training wohl fühlt. Nur dann bleibt man wirklich „bei der Stange“. Regelmäßigkeit aber ist das Erfolgsrezept des Trainings. Nicht nur Kraft-, sondern auch Ausdauertraining gehört dazu. „Walking und Laufen haben ebenfalls positive Effekte, wie überhaupt eine aktive Lebensführung“, sagt Boldt. Regelmäßiges Gehen und Laufen nützen darübre hinaus in puncto Haltung.

Auch Schwimmen ist ein Klassiker. Bei Rückenproblemen sollte man bevorzugt trainieren, wenn das Schwimmbad leer ist: Dann lässt es sich leichter auf dem Rücken schwimmen. Und das Reduzieren von Übergewicht kommt dem Rücken ebenso zugute. Ein dicker Bauch zieht das Becken nach vorn, verstärkt das Hohlkreuz und verändert insgesamt die Statik ungünstig.

Wer Schmerzen hat, tut sich mit dem Training von Kraft und Ausdauer schwer. Doch in so genannten interdisziplinären Schmerzambulanzen, in denen Ärzte mit Psychologen und Physiotherapeuten zusammenarbeiten, wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Leidgeplagte wieder an ihrer Beweglichkeit, Kraft und Koordinationsfähigkeit arbeiten können. Und dazu werden nicht nur Medikamente eingesetzt, sondern auch Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie. aml

Weitere Infos im Internet unter:

www.gesundheits-akademie-berlin.de

www.sport-gesundheitspark.de

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