Zeitung Heute : Ran an die rosa Röhre

Museum? Studentenwohnheim? Konzertsaal? UdK-Studierende planen für die Schleuseninsel.

Tatyana Synkova

Kurz hinter dem Ernst-Reuter-Platz zwischen Tiergarten und dem Zoologischen Garten befindet sich die Charlottenburger Schleuseninsel. Markantestes Merkmal ist ein himmelblaues Bauwerk, das sich mit seinen rosafarbenen Riesenrohren so gar nicht in die grüne Landschaft des Tiergartens einfügt. Der denkmalgeschützte Bau des Architekten Ludwig Leo entstand in den Jahren 1968 bis 1975 und wurde als Umlauftank der „Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau“ der Technischen Universität in Betrieb genommen. So konnte man hier auf einem unterirdischen Kanal den Widerstand und das Seegangverhalten von Booten testen oder die Entstehung von Hohlräumen bei Unterdruck im Wasser erforschen.

Seit einigen Jahren wird das Grundstück aber kaum noch benutzt, denn die Untersuchungen sind sehr aufwändig und kostspielig. Die Schleuseninsel liegt also brach – dabei ist sie ein gut gelegener und wunderschöner Ort. Das dachten sich auch die Architekturstudenten der UdK Berlin. Seit April erarbeiten sie in einem Projekt Vorschläge, wie sich die Schleuseninsel umgestalten ließe.

Zum Beispiel als Ort für Feste, Versammlungen und Ausstellungen? 18 Studenten entwarfen fünf Modelle für einen neuen Anziehungspunkt in Charlottenburg. Vom Museum über ein Verwaltungszentrum und ein Studentenwohnhaus ist darin alles zu finden.

Bis so ein Modell steht, ist jede Menge Arbeit zu tun, denn nicht nur architektonische Aspekte müssen berücksichtigt werden, sondern auch kulturelle und soziologische Faktoren spielen eine Rolle: Wie kann man die Insel besser zugänglich machen, welche Klientel kommt hier vorbei, was für Angebote fehlen noch in Charlottenburg? „Mir war vor allem wichtig, dass ich den Studenten nicht zu viel vorgebe, sondern dass sie eigenständig Ideen entwickeln und umsetzen lernen“, sagt der betreuende Professor Adolf Krischanitz, in Berlin unter anderem bekannt durch seinen Entwurf für die Temporäre Kunsthalle.

Die geplanten Gebäude sind eckig. Unterirdische Ausstellungsbereiche und Konzertsäle für die UdK Berlin könnten hier entstehen. Aber auch Botschaften aller Fakultäten des Campus Charlottenburg könnten hier vertreten sein und somit verbunden werden. Bis jetzt sind es nur Modelle, aber für die Vernetzung Charlottenburgs könnte sich die Schleuseninsel durchaus als die neue Mitte des geplanten Standorts für Wissenschaft, Technik und Gestaltung erweisen.

Während des Rundgangs sind die Entwürfe im Hörsaal A310 in der Hardenbergstraße 33 zu sehen.

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