Zeitung Heute : Rangeln um die Plätze

Der Tagesspiegel

Von Stefan Hermanns

München. Es war alles vorbereitet für einen ehrenvollen Abschied. Ein großes Bild von Stefan Effenberg zierte das Stadionheft des FC Bayern München, darunter prangte die liebevoll formulierte Überschrift: „Servus Effe – Noch drei Spiele, eine große Spielerpersönlichkeit verlässt die Bayern.“ Doch das bereits Mitte der Woche gedruckte Heft für das Heimspiel der Bayern gegen Hertha BSC war am Samstagnachmittag nicht mehr aktuell. Stefan Effenberg war wegen hämischer Äußerungen über Arbeitslose aus dem Kader gestrichen worden. Sein ehrenvoller Abschied aus München ist nur noch schwer vorstellbar. Zumal die Bayern andere Sorgen haben - sportliche. Schließlich muss sich der noch amtierende Meister wenigstens auf Platz drei retten, der zu den Qualifikationsspielen zur Champions League berechtigt. Im Spitzenduell gegen Hertha BSC siegten die Münchner immerhin 3:0 (0:0). Wegen des zeitgleichen 2:1-Sieges von Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg ist das Rennen um die Spitzenplätze nun wieder völlig offen. Allerdings können die Berliner in den letzten beiden Saisonspielen wohl nur noch um den Einzug in die Uefa-Pokal kämpfen.

Für Hertha war es vor 63000 Zuschauern im Olympiastadion das erwartet schwere Spiel. Schon nach einer halben Stunde standen die Berliner nur noch mit zehn Mann auf dem Platz. Im eigenen Strafraum hatte er eine Diskussion mit Schiedsrichter Uwe Kemmling angezettelt, am Ende des kurzen Dialogs zückte Kemmling die Rote Karte und verwies den Herthaner vom Platz. Van Burik schlich kopfschüttelnd vom Spielfeld: „Ich habe nichts Schlimmes gesagt.“ Die Entscheidung entfachte Tumulte, die Berliner stürmten zuerst auf den Referee ein, dann auf den Bayern Thorsten Fink, der sich offenbar auch zu einigen unschönen Kommentaren hatte hinreißen lassen. Ergebnis: Mehr als eine Minute rangelten die Spieler beider Mannschaften herum, Herthas Simunic wurde gar handgreiflich gegen Fink. Der Schiedsrichter beendete den kollektiven Trubel mit zwei Gelben Karten für Fink und Herthas René Tretschok. Eine bis dahin wenig aufregende Partie erhielt plötzlich die Dramatik eines echten Spitzenspiels.

Dabei hatten die Bayern vor ausverkauftem Haus durchaus forsch begonnen, vor allem Hasan Salihamidzic entfachte auf der rechten Angriffsseite immer wieder gefährliche Aktionen. Die Berliner, kurzfristig von Trainer Falko Götz umgestellt (Schmidt verteidigte statt Dardai, Tretschok spielte im Mittelfeld für Goor), agierten zurückhaltend und versuchten die Räume einzuengen. Torchancen konnten sich die Bayern deshalb nur nach Fehlern der Herthaner erarbeiten, besonders Abwehrspieler Michael Hartmann fiel durch mehrere Unsicherheiten auf. Erst langsam konnten sich die Gäste befreien, vor allem Marcelinho trieb den Ball öfter mal nach vorn und ermöglichte Michael Preetz so in der 18. Minute die erste Einschusschance. Doch diese blieb ebenso ungenutzt wie die gefälligen Kombinationen der Bayern in der ersten Halbzeit.

Nach der Roten Karte wurde das Spiel mit weniger Taktik und mehr spielerischem Einsatz geführt. Die Bayern erhöhten nach dem Seitenwechsel das Tempo, Giovane Elber konnte sich im Hertha-Strafraum mehr Freiräume erarbeiten. Allerdings ermöglichte erst eine Standardsituation in der 67. Minute die Münchner Führung. Nach einer harmlosen Ecke prallte der Ball an Hartmanns Oberschenkel und trudelte von dort ins Tor. Der schwächste Hertha-Spieler war auch der unglücklichste.

Von nun an stürmten nur die Bayern. Elber und Roque Santa Cruz scheiterten zunächst noch an Herthas Keeper Gabor Kiraly. Doch acht Minuten vor Schluss konnte wieder Salihamidzic unbedrängt das Münchner Angriffsspiel gestalten. Nach einem Pass in den Strafraum behinderten sich die Herthaner Beinlich und Sverrisson gegenseitig, so dass Elber zum 16. Saisontor einschieben konnte. Eine Minute später setzte Claudio Pizarro mit seinem 15. Saisontor den Schlusspunkt, wieder bereitete Salihamidzic vor.

Den Berlinern bleibt nun noch die Hoffnung auf den Uefa-Cup, die Münchner können dagegen wieder nach oben schauen. Effe geht, aber die Bayern kommen wieder.

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