Zeitung Heute : Rasas

Indische Eleganz

Elisabeth Binder

Rasas, Bayernallee 42/ Länderallee, Charlottenburg, geöffnet täglich außer montags ab 11 Uhr. Foto: Doris Klaas

Können sich Folklore und Eleganz wirklich harmonisch vereinigen? Die Antwort auf diese Frage fanden wir ausgerechnet beim neuen In-Inder im Westend. Sehr schöne Lampen und eine erstaunliche rote Sofaecke unterm gleichfarbigen Baldachin sagten: Ja, das ist denkbar. Es gibt wenige, schöne Kunstobjekte aus Holz und Bronze, schwere Holztische umgeben von schlichten Lederstühlen. Rote Kerzen brennen auf den Tischen. Und im Waschraum umgeben tiefrote getrocknete Rosenblätter das goldene Becken. Obwohl verschiedene Fleischgerichte angeboten werden, will die Philosophie dieser Küche, die sich in der Tradition einer viertausendjährigen Kultur sieht, auch Vorbild für eine alternative vegetarische Ernährung sein. Das passt ja gerade jetzt besonders gut, wo angesichts immer neuer Schreckensnachrichten der Fleischappetit dringend eine Erholungskur braucht. Vorweg gibt es frisch gebackenes knuspriges Fladenbrot (1,90 Euro) und Joghurt mit Gurken, Tomaten, Paprika und Gewürzen (2,50 Euro). Die großzügige Portion wird uns durch das ganze Essen begleiten, denn Joghurt ist das wirksamste Lösch- und Linderungsmittel, wenn scharfe Gewürze die Zunge in Flammen gesetzt haben (2,50 Euro).

Die gemischten Vorspeisen sind ausgesprochen appetitlich angerichtet auf einem dünnen Bett aus Salatstreifen und Radieschenschnitzen. Es gibt in Kichererbsenmehlteig frittierte Zwiebelringe, Auberginenscheiben, Stücke aus hausgemachtem Käse und, ja, auch Hühnerfiletstreifen. Außerdem Samosas, gebratene Teigtaschen, die mit Gemüse gefüllt sind und Riesengarnelen mit bengalischen Gewürzen, ebenfalls im Teigmantel. Das schmeckt peppig, aber noch nicht zu scharf, wenn man sich der höllischen grünen Sauce enthält, die Teil eines Trios ist, zu dem auch noch Johannisbrotsauce und Minzjoghurt zählen. Die Teigmäntel sind angenehm leicht und nicht zu dick, so dass der Appetit fürs Hauptgericht geschickt konserviert wird.

Die Riesengarnelen auf südindische Art, Jhinga Madrasi, trugen von Anfang an den Warnvermerk „scharf“. Vier dicke Exemplare lagerten in einer reichen und auch feurigen, aber die Nerven nicht killenden Sauce, der die hauseigene Mischung namens „Masala“ aus 30 Kräutern und Gewürzen gut bekam (13,50 Euro). Dazu gab es lockeren, bissfesten Reis. Der Hit des Abends aber war tatsächlich ein vegetarisches Gericht. Der gebratene Basmatireis mit Paprikastreifen, Sprossen und Nüssen sowie verschiedenen Gewürzen ist eigentlich ein Muss für vom Glauben abgefallene Fleischfresser, er schmeckte geradezu missionarisch gut. Dass dieses Gericht so besonders schön gelungen war, lag auch an der optisch und geschmacklich exzellenten Currysauce. Das alles wurde auf hübschen Tabletts herangetragen von feinfühligen und auch flotten jungen Männern. Und als sei das nicht genug, gibt es auch eine sehr solide, kleine Weinkarte, die nicht nur indische Weine bereit hält, sondern unter den Weißen zum Beispiel einen Vernaccia di San Gimignano und unter den Roten badischen Spätburgunder, Chianti und einen sehr schön dunkelsamtigen Rioja (19,50 Euro).

Dessert spielt keine große Rolle, es gibt Früchte mit Joghurt oder Vanilleeis. Das ist vernünftig, wenn der Koch keine sonderliche Affinität zum Süßen hat und auch getrost davon ausgehen kann, dass seine Gäste sich an den Hauptgerichten satt gegessen haben. Manches ist auch noch im Aufbau begriffen, denn das Restaurant ist erst zwei Monate alt. Und trotzdem schon eine Augen- und eine Gaumenweide. Das hat ja ausnahmsweise wirklich fast schon Weltstadtniveau.

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