Zeitung Heute : "Rasch" kündigen, "rasch" verkaufen

ball

Auf die Bankgesellschaft (BGB) rollt eine Welle von Kündigungsschutzklagen zu. Wie aus Kreisen der BGB-Immobilientöchter weiter zu erfahren ist, sollen Vorstände und Geschäftsführer Kündigungen gegen unkündbare Betriebsratsmitglieder ausgesprochen haben. Betroffen zudem: Dem Mutterschutzgesetz unterliegende Mitarbeiterinnen. Sprecher Herbert Beinlich sagte, dass 180 Stellen bei der IBAG wegfallen, und die ersten Kündigungen verschickt seien. Eine Liste der Betroffenen sei zuvor dem Betriebsrat zur Abstimmung vorgelegt worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass eine schwangere Mitarbeiterin aufgenommen worden war. Diese Benennung sei sofort zurückgezogen worden. Bisher sei keine Kündigungsschutzklage eingegangen.

In Mitarbeiterkreisen heißt es ferner, der Vorstand habe einen weniger drastischen Sanierungsplan von Chefs bestehender IBAG-Töchter abgelehnt. Mit seinem harten Kurs versuche Reinhardt Gennies schnelle Erfolge beim Abbau von Personalkosten zu erzielen. Er riskiere dabei aber, hohe Verluste im laufenden Geschäft einzufahren.

Hintergrund: Noch im Juni waren die Mitarbeiter der IBAG-Tochter Bavaria mit der Errichtung von bundesweit rund 110 Projekten befasst. Für etwa 2100 Wohnungen und Häuser suchte die Gesellschaft noch Käufer. Darüber hinaus ermittelten die Geschäftsführer, dass der Bau von weiteren 1075 Wohnungen auf bereits erworbenen Grundstücken möglich ist. Aus diesen Reserven planten die Kaufleute, ab 2002 tausend Wohnungen jährlich zu verkaufen. Die Erlöse sollten ausreichen, um die Kosten einer nur leicht verschlankten Mannschaft zu decken - ohne große Kündigungswelle.

Beinlich dagegen sagte, es habe keine "Alternativpläne" zum Roland-Berger-Konzept gegeben. An dessen Entwicklung seien alle Chefs der Gruppe beteiligt gewesen, und man habe sich "darauf geeinigt". Derzeit wird der dem Tagesspiegel vorliegende zweite Entwurf zur "Restrukturierung und Strategischen Neuausrichtung" umgesetzt. Demnach erfolgt bei der Bavaria eine "substanzielle Senkung der Kosten" um 14 Millionen Mark durch den Abbau von Personal - acht Niederlassungen und elf Büros schließen. Die übrige Mannschaft soll dann in dem Tempo, mit dem derzeit Kündigungen ausgesprochen werden, eine "rasche Abarbeitung der laufenden Projekte" und einen "raschen Verkauf der Restanten" sicher stellen.

Da ist der Wunsch Vater des Gedankens von Roland Berger, sagen Kritiker, gestützt auf interne Dokumente. Demnach war die Bavaria Feuerwehr und Resteverwerter des Konzerns. Sie plante und baute für Fondsgesellschaften der Bankengruppe - und alles, was diese nicht haben wollten, blieb an ihr hängen. Die Strategie hatte gute Gründe: Je günstiger die Immobilien in die Fonds gelangten, desto höhere Gebühren konnten die Fonds auf die Immobilien aufschlagen und von Anlegern kassieren. Das steigerte die Gewinne im Bankenkonzern.

In der Bavaria blieben auch überschuldete Immobilien. Was Konzern-Banker großzügig mit Krediten finanziert hatten, ihre Schuldner aber nicht zu Ende bauten, musste die Bavaria sanieren. Auch solche Konzerndienstleistungen beeinträchtigten die Bilanzen der Bavaria - schönten aber die Bücher der Konzernbanken. So sammelten sich in der Bavaria in Berlin etwa 1500 mehr als 12 Monate unverkäuflich gebliebene Immobilien an - derartige Problemprojekte lassen sich nicht "rasch" versilbern.

Es sei denn, die Immobilientöchter schreiben hohe Beträge in den Wind: Drastische Preissenkungen könnten den Verkauf der Ladenhüter antreiben. Doch diese Strategie würde sich mit zusätzlichen roten Zahlen in die Bilanz der Bavaria und später der Konzernbanken einschreiben. Von solchen Folgewirkungen einer "raschen" Immobilienverwertung mit immer weniger Mitarbeitern schreiben die in Fachkreisen als "Newcomer im Immobilienbereich" beurteilten Roland-Berger-Berater nichts in ihren Sanierungsplan.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar