Zeitung Heute : Rasen, bis die Reifen qualmen

Nach Jahren des vergeblichen Wartens macht die Formel 1 nun doch in der Lausitz Station – mit historischen Rennwagen

Andreas Conrad

In der 36. Runde war schlagartig Schluss. Der Williams-Renault schob sich unter den Benetton-Ford, der sich fast überschlug und demoliert in der Reifenbarriere landete. Eine Schreckensszene, doch für den Bruchpiloten ein Augenblick des Triumphs: Am 13. November 1994 in Adelaide wurde Michael Schumacher zum ersten Mal Weltmeister in der Formel 1.

An diesem Wochenende können sich Rennsportbegeisterte den Siegerwagen auf dem Eurospeedway Lausitz noch einmal im Einsatz erleben. Gewiss, nicht Schumis Siegerboliden, aber doch einen originalen Benetton desselben Typs. Weiter gibt es einen Lotus 72 zu sehen, wie ihn Emerson Fittipaldi, Weltmeister 1972 und 1974, fuhr, oder auch den McLaren M29 von Alain Prost und den Brabham BT29D von Riccardo Patrese.

„Wir wollen die Formel 1“ – so hatte es noch noch 1999, nach der Absage von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, in der Lausitz trotzig geheißen. Das hat bislang nicht geklappt – jedenfalls nicht für die aktuellen WM-Rennen. Die Vergangenheit beschert dem Ring jetzt aber doch noch das begehrte Prädikat „F 1“: Am Sonnabend und Sonntag wird auf dem Eurospeedway der „1. ADAC F 1 Historic“ veranstaltet, mit authentischen Rennwagen, die fast 40 Jahre Formel 1 repräsentieren. Das älteste Fahrzeug stammt aus dem Jahr 1966.

Auch hinter den Oldtimer-Teams steckt viel Geld: Millionäre, die sich so ein kostspieliges Hobby leisten, wie es Marc-Thorsten Lenze, Pressesprecher des Eurospeedways, umschreibt. Sie fahren aber nicht einfach ohne Willen zum Sieg im Kreis herum, sondern tragen – wie in der aktuellen Formel 1 – Meisterschaften aus. Zwei dieser historischen F-1-Serien werden an diesem Wochenende ausgetragen: die EuroBoss-Serie, die in diesem Jahr an neun Orten, darunter Silverstone und Le Mans, ausgetragen wird, mit 14 Wagen; sowie die TGP-F1-Weltmeisterschaft mit vorausssichtlich 25 Wagen, die weltweit an acht Orten gefahren wird. In diesem Jahr gehörte diese Serie zum Vorprogramm des F-1-Rennens in Bahrein.

Wie Lenze betont, gebe es auch „ein offenes und lebendiges Fahrerlager“ zu erleben. „Nirgendwo sonst kommen die Motorsportfans näher an die Formel-1-Rennwagen heran.“ Und er hebt auch, mit Blick auf die anhaltende Ostalgiewelle, den Trabant Lada Racing Cup hervor, der an beiden Tagen ausgetragen wird. Auch die Rennpappen sind garantiert historisch.

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