Zeitung Heute : Ratgeber Grundeigentum: Die Eigenheimzulage

Peter Runge

Seit dem 26. März 1997 gibt es die steuerliche Wohltat des Gesetzes zur Eigenheimzulage. Wer erhält sie, und welche Gestaltungsmöglichkeiten bietet sie?

Wer "unbeschränkt einkommensteuerpflichtig" ist, hat einen Anspruch auf die Zulage und zwar für die Herstellung oder Anschaffung einer Eigentumswohnung, eines Einfamilienhauses oder einer Wohnung im eigenen Mietshaus - sofern er die Immobilie selbst nutzt. Der Förderbetrag beträgt bei einem alten Objekt 2,5 Prozent, maximal aber 2500 Mark; bei einem neuen Objekt sind es sogar fünf Prozent maximal aber 5000 Mark. Demzufolge ist der Höchstbetrag bereits bei einer Bemessungsgrundlage von 100 000 Mark erreicht. Zusätzlich gibt es noch pro Kind jeweils jährlich 1500 Mark. Voraussetzung ist allerdings, dass das Kind noch zum Haushalt gehört. Bis zum Ablauf des Jahres gibt es ferner eine Öko-Zulage, jährlich höchstens 500 Mark für Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung sowie weitere 400 Mark bei nachgewiesenem Erfolg bei guter Wärmedämmung.

Spielen wir den Fall Hans Müller durch. Hans hatte Glück und bekam ein Einfamilienhaus von seinen Eltern. Dieses nutzt er jetzt selbst. Hans im Glück hat Pech: Er hatte keine eigenen Kosten für die Anschaffung oder Herstellung und bekommt deshalb keine Förderung. Hätten die Eltern eine so genannte gemischte Schenkung vorgenommen und ihm ein Darlehen über 100 000 Mark für die Renovierung von Fassaden und Dach mit übertragen, dann wäre er dabei gewesen. Wenn Müller einen Neubau mit oder ohne elterlicher Hilfe erworben hätte, könnte er 5000 Mark plus 1500 Mark (für ein Kind) plus maximal 900 Mark, also insgesamt 7400 Mark jährlich steuerfrei vereinnahmen. Voraussetzung ist, dass Müller und seine Frau im Jahr der Antragstellung und im Jahr davor zusammen nicht mehr als 320 000 Mark zuzüglich 60 000 Mark für das Kind an Einkünften erzielen. Wenn Müller 150 000 Mark im Jahr erhält, darf seine Frau höchstens noch 40 000 Mark dazuverdienen. Liegt das Paar darüber, kann es prüfen, ob der Abzug von Werbungskosten, also Aufwendungen zum Beispiel für die Fahrt zur Arbeit oder den Erwerb von Fachliteratur sie unter die Grenze versetzt.

Eine weitere Voraussetzung ist: Jeder darf nur einmal eine Eigenheimzulage beantragen. Hat Müller schon einmal in der ersten Ehe eine Förderung genossen, wäre es gut, wenn die zweite Müllerin ihre Eigenheimzulage noch nicht verbraucht hätte. Eheleute können nämlich eine Förderung für zwei Objekte erhalten - allerdings nicht gleichzeitig. Der Förderbetrag wird erstmals im Jahr des Erstbezugs der Immobilie und dann in maximal sieben folgenden Jahren jeweils zu Beginn ausgezahlt. Vorsicht: Wenn Müller Ende des Jahres gekauft hat und wegen notwendiger Renovierung erst im Folgejahr eingezogen ist, schnappt die Neujahrsfalle zu. Müller hätte dann von acht möglichen Zulagen eine verloren. Denn nur wenn Eigentum und Selbstnutzung gemeinsam vorliegen, gibt es das Geld vom Staat.

Wandeln wir den Fall allerdings ab und unterstellen bei Müller ein Einkommen über der Höchstgrenze, gäbe es zunächst keine Förderung. Wenn aber das Einkommen unter die Grenze sinkt - vielleicht durch Teilzeitarbeit - wird der Antrag zu einem späteren Zeitpunkt gestellt. Der maximale Förderzeitraum beträgt immer acht Jahre, wenn Müller den Antrag erst im vierten Jahr stellen kann, verringert sich die Anzahl der Zulagen auf insgesamt fünf.

Wäre die Einkommensentwicklung so verlaufen, dass Müller erst in den Folgejahren mehr und damit über die Einkommensgrenze hinaus verdient hätte, wäre das ohne Auswirkung auf die spätere Zulagen. Sollten die Müllers das Haus oder die Wohnung später verkaufen, endet die Förderung. Die verbleibenden Förderjahre kann er jedoch aber auf eine andere erworbene und selbst genutzte Immobilie übertragen und damit retten. Lassen sich die Eheleute Müller scheiden, so haben beide den sogenannten Objektverbrauch zu beachten. Das bedeutet also, dass der Staat auch der Folgeehe dann keine Förderung mehr gewährt.

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