Zeitung Heute : Raumforscher

Sie brauchen viel Platz, zentral soll der sein und billig, außerdem wollen sie keine Nachbarn, denn sie machen Krach: Wie Berliner Clubbesitzer ideale Orte finden.

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Text: Ulf Lippitz Week End Club, Alexanderplatz 5, Mitte

Ich habe vor vier Jahren versucht, mit Freunden ein Konzept für Open-Air-Partys zu entwickeln. Die Idee war: so weit wie möglich nach oben zu gehen – weil es solche Orte im Berliner Nachtleben noch nicht gab. Zuerst wollten wir einen Club im Alexanderhaus eröffnen, wo heute C & A sitzt. Die Räume waren aber so sanierungsbedürftig, dass wir das finanziell nicht stemmen konnten. Doch die Idee blieb in meinem Hinterkopf: hoch hinaus, am besten unter die Diskokugel des Fernsehturms, dem Symbol Berlins.

Ich sah mir aber auch andere Räume an. Zum Beispiel das Pax-Studio an der Brunnenstraße. Es wurde bald klar, dass das Amt keine Konzession wegen der Lage im Wohngebiet erteilen würde – obwohl die Tonstudios gut schallisoliert waren.

Im Mai 2004 bin ich dann quasi aus Versehen in unseren jetzigen Raum gelaufen. Im ehemaligen Haus des Reisens haben Freunde von mir, Architekten, in der neunten Etage ein Büro. Im Aufzug habe ich offenbar die falsche Taste gedrückt, jedenfalls kam ich im zwölften Stockwerk an, die Tür ging auf – und ich stand in diesem großen Raum mit dieser unglaublichen Fensterfront, die einmal rundum geht. Ich spürte: Das ist der Club. Mein Plan war, Räume zweckentfremdet zu nutzen, sie sichtbar zu machen. Eine Büroetage als Club-Ort gab es ja noch nicht. Und die Aussicht war großartig. Obwohl sie zuerst nicht das Wichtigste war. Ich habe an der Technischen Universität Geschichte studiert, eine Vorlesung fand in der 22. Etage statt. Das war beeindruckend. Im Haus des Reisens kam das Erlebnis erst später. Vier Wochen nach der ersten Besichtigung fuhr ich abends in die zwölfte Etage hoch. Die Straße floss mit den Lichtern weg, das sah aus wie ein Rollfeld. Großartig!

Ich bin bereits am ersten Tag losgerannt, um Kontakt zur Hausverwaltung aufzunehmen. Der Eigentümer war wegen der geringen Auslastung des Gebäudes an einer Vermietung interessiert. Dann habe ich die Ämter abgeklopft. Mit den Architekten aus der neunten Etage, der Gruppe Robert Neun, habe ich den Club geplant, wir haben uns schnell auf eine klare minimale Struktur und ein durchgängiges Design geeinigt. So entstand die Idee mit den modularen Sitzlandschaften. Für die Gestaltung erhielt das Büro im letzten Jahr sogar einen Architekturpreis.

Wir wollten einen Erwachsenen-Club kreieren, auf den wir selber stehen. Mit einer sauberen Bar, sauberen Gläsern, gutem Sound, vernünftigen Toiletten. Alles, was man braucht, wenn man schon zehn Jahre im Nachtleben unterwegs ist. In der 15. Etage planen wir derzeit einen neuen Club, den man im Sommer mit Terrasse öffnen kann. Das ist der neue Trend: Partys draußen zu feiern – über der Stadt.

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