Zeitung Heute : Rechnen bis zur Rente

Antje Sirleschtov

Rentenversicherer sehen wegen Hartz IV speziell für Langzeitarbeitslose die Gefahr einer neuen Altersarmut. Was muss geschehen, um das zu verhindern?

Als die Bundestagsfraktion der Grünen in diesem Sommer das Berliner Forschungsinstitut DIW damit beauftragte, die Auswirkungen einer neuen Vermögensteuer zu berechnen, kamen die Forscher zu einem interessanten Ergebnis: Vermögensteuern müssten in allererster Linie die Rentner zahlen. Fazit: Den Alten in Deutschland geht es so gut wie nie zuvor. Das Thema Altersarmut, das die Deutschen insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren beschäftigt hat, ist weitestgehend vom Tisch. Im deutschen Maßstab „arm“ sind heute nicht mehr die Alten, es sind vielmehr die Jungen, insbesondere Familien mit mehreren Kindern.

Dennoch beschäftigen sich Politiker und Rentenexperten mit dem Phänomen der „Altersarmut“. Und das nicht ganz zu Unrecht. Denn es gibt eine – nicht zu unterschätzende – Zahl von Menschen im Land, denen Altersarmut droht. Es sind vor allem Langzeitarbeitslose, aber auch Selbstständige, die über viele Jahre hinweg weder in der Lage waren, in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen noch privat vorzusorgen. Rund drei Wochen vor Inkrafttreten der Arbeitsmarktreform Hartz IV warnt jetzt auch noch einmal der Chef des Rentenverbandes, Franz Ruland, davor, dass den Beziehern von Arbeitslosengeld II Altersarmut droht, weil die Arbeitsagenturen für sie nur Rentenversicherungsbeiträge auf der Basis von 400 Euro Verdienst abführen. Die Folge: Wer etwa in Ostdeutschland über viele Jahre hinweg keine Beschäftigung findet, wird im Alter für diesen Lebensabschnitt eine gesetzliche Rente von 40 Euro im Monat erhalten. Und ausreichend Geld, um jetzt bereits privat vorzusorgen, haben die meisten nicht.

Einer solchen Situation im Alter vorzubeugen, bleibt dennoch erst einmal die eigene Bürgerpflicht. Sich mit der eigenen wirtschaftlichen Lage im Rentenalter zu befassen, ist eben kein Thema, dem man sich zum 50. Geburtstag widmet. Man muss sich damit weit früher befassen. Vorsorge für all jene, denen persönliche Umstände ein frühzeitiges Engagement nicht möglich gemacht haben, hat außerdem der Staat mit der Grundsicherung getroffen. Sie wird, auf Sozialhilfeniveau, jedem Rentner zuerkannt, der von seiner Rente nicht leben kann.

Weitere Aufgaben der Politik liegen darin, bessere Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass die Menschen selbst vorsorgen können. Etwa, in dem die so genannte Riesterrente attraktiver, heißt unbürokratischer, ausgestaltet wird. Aber auch, indem die Bedingungen für Beschäftigung und eigenen Broterwerb verbessert werden. Denn letztlich wird sich jeder selbst um seinen Lebensunterhalt im Alter sorgen müssen. Der Staat, den wegen der Demografie in Zukunft immer weniger Menschen finanziell tragen werden, wird im gleichen Maß auch immer weniger in der Lage sein, für ein auskömmliches gesetzliches Rentenniveau zu sorgen.

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