Zeitung Heute : Recht und Reisen: Aktuelle Urteile

Trunkenheit. Wird ein Pauschaltourist, der angetrunken an Bord eines Flugzeugs gekommen ist, vom Kapitän als Passagier nicht aufgenommen, so kann er dafür nicht den Reiseveranstalter haftbar machen, weil der Flugzeugführer seine Entscheidung kraft "luftpolizeilicher Hoheitsgewalt" treffen kann, wenn er dies "zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" für erforderlich hält. (Landgericht Bonn, Aktenzeichen: 5 S 18/00) W. B.

Preisminderung. Wird ein Urlauberpaar statt im gebuchten Drei- in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht, wird dort aber weder der erwünschte Sand/Kies-Privatstrand (hier gab es einen Steinstrand), noch die ruhige Lage (anstatt eines "familiären" gab es ein "lebhaftes" Haus) vorgefunden, und sind ferner die Lebenshaltungskosten im Hotel und am Ort höher, darf der Reisepreis nachträglich gemindert werden (hier um rund 50 Prozent). (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 29 C 20253/96) W. B.

Falschinformation. Ist ein Urlauberpaar pünktlich am "Check-In-Schalter" einer Fluggesellschaft (hier um 11 Uhr 20 für einen Abflug um 13 Uhr), erfährt es dann jedoch am Schalter, dass der Flug erst mit Verspätung um 14 Uhr 10 starten soll, und findet es sich auf Grund dieser Information um 12 Uhr 50 am Schalter ein, so kann es den Aufwand für zwei zusätzliche Tickets (hier: 780 Mark) vom Reiseveranstalter zurück verlangen, wenn das Flugzeug dann doch wie vorgesehenen um 13 Uhr gestartet ist. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 113 C 2852/00) W. B.

Impfung. Wer eine Reise (hier: nach Kanada) stornieren muss, weil er die für die Einreise erforderlichen Impfungen nicht verträgt, der kann dafür nicht seine Reiserücktrittskostenversicherung in Anspruch nehmen, weil es sich um einen bereits vor Abschluss des Vertrages eingetretenen Versicherungsfall handelt, der vom Versicherten "ohne großen Aufwand" vor der Buchung der Reise hätte erkannt werden können. (Amtsgericht Sinsheim, Aktenzeichen: 4 C 179/99) W. B.

Meerblick. Wird ein Hotel im Reiseprospekt "mit Meerblick" angepriesen, so bedeutet das nicht, dass das Haus "am Meer" liegt. Die Aussage führt nicht zu einer Reisepreisminderung, wenn der Blick des Pauschalurlaubers aufs Meer durch zwei dazwischen liegende Gebäude eingeschränkt ist. (Amtsgericht Kleve, 28 C 155/00) W. B.

Ameisen. Wird eine Hotelanlage von einer "Ameisenplage" befallen, so muss nicht jeder Pauschalurlauber eine spezielle Mängelanzeige einreichen, weil davon auszugehen ist, dass die Reiseleitung über die Vorkommnisse informiert ist. Hier wurde ameisengeplagten Pauschalurlaubern auf Mallorca eine Reisepreisminderung von fünf Prozent zugesprochen. (Oberlandesgericht Düsseldorf, 18 U 137/99) W. B.

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