Zeitung Heute : Recht und Reisen: Aktuelle Urteile

W. B.

Rutschig. Pauschaltouristen können keinen Schadenersatz vom Reiseveranstalter für Verletzungen verlangen, die sie sich bei einem Sturz am Pool des Hotels zugezogen haben, weil sie ausgerutscht sind - es sei denn, sie könnten nachweisen, dass der Bodenbelag unzweckmäßig war. (Landgericht Kleve, Aktenzeichen: 6 S 192/00) W. B.

Verlust. Wer schon mehrfach Gepäckverlust geltend gemacht und dafür seine Reisegepäckversicherung in Anspruch genommen hat, der kann bei einem erneuten Verlust (hier nach einem Flug) nicht mit Hinweis auf das für die Fluggesellschaft ausgefüllt Formular "PIR" erneut Schadenersatz verlangen, wenn seine "Angaben zur Sache" wenig glaubhaft erscheinen. (Amtsgericht München, Akenzeichen: 232 C624/00) W. B.

Schadenersatz. Fällt für eine vierköpfige Familie ein - bereits zwei Jahre vorher gebuchter - individueller Urlaub auf den Malediven aus, weil der Veranstalter den Termin (hier: über Weihnachten und Neujahr) überbucht hat, so können neben der Rückzahlung des Reisepreises (hier: 16 400 Mark) weitere 50 Prozent wegen entgangener Urlaubsfreuden als Schmerzensgeld verlangt werden. Dies gilt auch, wenn während der Reisezeit weiter gearbeitet wurde. (Landgericht Hannover, Aktenzeichen: 1 S 183/98) W. B.

Bakterienruhr. Eine Pauschalreisende kann vom Reiseveranstalter keinen Schadenersatz wegen eines verdorbenen Essens in einer "Absteige" (statt des angekündigten "First-Class-Hotels") verlangen, was bei ihr am nächsten Tag eine Bakterienruhr verursacht habe - weil die Inkubationszeit bei dieser Erkrankung zwei bis sieben Tage beträgt. (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 16 U 60/00) W. B.

Gewonnen. Eine Agentur, die eine Reise an die Costa Brava in einem Preissausschreiben verlost, darf in einem kleingedruckten Zusatz keinen "Einzelpersonenzuschlag" (hier: in Höhe von 290 Mark) verlangen, wenn der "normale" Preis der Reise lediglich 279 Mark beträgt, und kann wegen dieser strafbaren Werbung eine Geldstrafe (hier: in Höhe von 4500 Mark) aufgebrummt bekommen. (Oberlandesgericht Oldenburg, Aktenzeichen: Ss 379/00) W. B.

Hotelwechsel. Teilt der Veranstalter einer Reise einem Urlauberpaar vier Tage vor Antritt des Urlaubs mit, dass es statt in dem gebuchten Hotel in einem gleichwertigen Haus untergebracht wird, so können die Urlauber - wenn sie dies akzeptieren - keine Reisepreisminderung verlangen. Hier wurden allerdings 15 Prozent zugesprochen, weil der Veranstalter sehr spät über die Änderungen informiert hatte. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 28 C818/98) W. B.

Elterliche Fürsorge. Ein (hier: 17-jähriger) Jugendlicher, der eine "Spirit of the summer Camp - das Partyhighlight"-Reise (hier zu einem Preis von 829 Mark) bucht, kann nicht verlangen, dass er "fürsorglich betreut" wird, auf dem Campingplatz Toilettenpapier und -brillen sowie nur befestigte Wege (auch im Umland) vorfindet und sein Gepäck nicht selbst tragen muss. Er kann den Reisepreis nachträglich nicht mindern (hier gefordert in Höhe von 45 Prozent). (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 241 C33745/00) W. B.

Mängel. Stellt ein Ehepaar an seinem Urlaubsort einige Mängel fest, so hat es keinen Anspruch auf eine nachträgliche Reisepreisminderung, wenn es sich erst nach der Reise im Reisebüro beschwert, da sie bereits während des Urlaubs bei der Reiseleitung hätten reklamieren und binnen eines Monats nach der Reise auch den Veranstalter in Anspruch nehmen müssen. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 3232/98-22) W. B.

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