Zeitung Heute : Recht und Reisen: Aktuelle Urteile

W. B.

Transfer. Müssen Urlauber einen Transfer statt - wie gebucht - mit dem Flugzeug mit einem Bus vornehmen, was drei Stunden länger dauerte, so können sie dafür weder eine Preisminderung noch Schadenersatz fordern, da es sich nur "um eine unbeachtliche Abweichung vom zugesicherten Reiseverlauf" handelt. (Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen: 18 C 140/96) W. B.

Verjährung. Wer gegen einen Reiseveranstalter Preisminderungen durchsetzen will, der muss binnen sechs Monaten nach der Rückkehr aus dem Urlaub Klage erheben. Der Zeitraum wird unterbrochen (und damit der Lauf der Verjährungsfrist "gehemmt"), solange der Schriftwechsel läuft. Lehnt der Veranstalter aber endgültig ab, so ändert weiterer Schriftwechsel am Lauf der Verjährungsfrist nichts. (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 16 W 3/00) W. B.

Reisegepäck. Wird ein Urlauber bestohlen, kann er seiner Reisegepäckversicherung aber außer dem Wert der gestohlenen Gegenstände (hier: rund 4000 Mark) weder Marke, Farbe noch Form beschreiben, so braucht das Unternehmen den Schaden nicht zu ersetzen. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 230 C 5277/99) W. B.

Koffer. Werden einer Frau während eines Fluges Gegenstände aus einem ihrer Koffer gestohlen, so kann sie von der Fluggesellschaft nicht den vollen Ersatz verlangen, sondern nur den entsprechend dem "Warschauer Abkommen" maßgebenden Pauschbetrag, der sich am Gewicht des Gepäckstücks ausrichtet (und der Passagierin hier 53,50 Mark pro Kilogramm, insgesamt 253 Mark einbrachte). (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C1101/00-24) W. B.

Promenade. Wer sich wegen eines schadhaften Weges bei einem Sturz auf einer Strandpromenade verletzt, kann dafür unter Umständen die zuständige Stadt zur Verantwortung ziehen. Darauf macht der Anwalt-Suchservice in Köln aufmerksam und bezieht sich auf ein Urteil des Landgerichts Rostock (Aktenzeichen: 4 O 101/99). In dem Fall hatte eine Frau, die abends auf der nur schwach beleuchteten Promenade an der Ostsee flanierte, eine fehlende Gehwegplatte übersehen, war gestürzt und zog sich einen komplizierten Beinbruch zu. Sie verklagte die Gemeinde auf Schadenersatz und bekam Recht. Seine Entscheidung begründete das Gericht damit, dass die Stadt für die Sicherheit öffentlicher Straßen und Wege verantwortlich sei. Dazu gehöre auch die Strandpromenade. Zwar seien geringfügige Unebenheiten nicht zu vermeiden und müssten von Fußgängern grundsätzlich in Kauf genommen werden. Doch ein mehr als drei Zentimeter tiefes und 30 mal 30 Zentimeter großes Loch, wie es die fehlende Gehwegplatte hinterließ, habe die Stadt nicht ungesichert lassen dürfen. Zudem sei die Gefahr eines Sturzes auf der Promenade besonders groß, weil die Spazierenden dort entlang schlenderten, um die Aussicht zu genießen. dpa

Strandgut. Sammelt ein Ostseeurlauber am Strand einen angeschwemmten Gegenstand auf, den er für Bernstein hält, entpuppt sich das Stück in seiner Hosentasche jedoch als Phosphor (hier als Rest einer Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg), so muss die Kommune Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen (hier: insgesamt 2000 Mark), wenn durch solche Funde schon vorher Urlauber geschädigt wurden. Sie hätte Warnschilder aufstellen müssen. (Oberlandesgericht Rostock, Aktenzeichen: 1 U 170/98) W.B.

Überfüllung. Findet ein Ehepaar am Urlaubsort (hier: auf Malta) ein "völlig überbuchtes" Hotel vor und kann weder der Reiseveranstalter noch das Reisebüro daheim sowie das Paar selbst sicherstellen, dass ein gleichwertiges Zimmer gefunden wird (hier: wegen "Überfüllung der Insel"), so kann es die Reise abbrechen und den Mehraufwand sowie Schadenersatz für vertanen Urlaub verlangen (hier: in Höhe von insgesamt 7300 Mark). (Landgericht München, Aktenzeichen: 15 S 12104/00) W. B.

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