Zeitung Heute : Recht und Reisen: Gut zu wissen: Richtungsweisende Urteile

Köder. Reisebüros beraten Kunden oft nicht neutral, weil Reiseveranstalter mit Buchungswettbewerben die Verkäufer ködern. Diese Praxis hat nun das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 6 U 74/00) in einem Einzelfall unterbunden, der aber für die gesamte Branche richtungsweisend ist. Winkt etwa eine Kreuzfahrt oder ein Musical-Wochenende, ist der "Anlockeffekt" nach Ansicht der Richter so groß, dass ein Reisebüro-Mitarbeiter den Kunden nicht mehr "unter sachlichen Gesichtspunkten und Berücksichtigung der Reisewünsche" berät.

Küche. Beanstanden Urlauber, denen im Reiseprospekt eine "exquisite Küche" versprochen worden war, dass das Essen zum Teil "ungenießbar" gewesen sei (und wird dies im Grundsatz auch von der Reiseleitung bestätigt), so dass sie während der Ferien das Restaurant wechselten, so steht ihnen nur zehn Prozent des Reisepreises als Schadenersatz zu, wenn sie nicht im Einzelnen auflisten können, was an den Speisen konkret zu beanstanden war. (Amtsgericht Hannover, Aktenzeichen: 560 C 6641/00) W. B.

Zuschlag. Reiseveranstalter sind nicht berechtigt, ihren Kunden Kerosinzuschläge pauschal (hier: mit 26 Mark pro Person) "wegen der gestiegenen Spritpreise" zu berechnen. Sie müssen "den Berechnungsweg für die Erhöhung" darlegen, damit der Urlauber dies "nachvollziehen" kann. Es ist nicht rechtens, das "Spritrisiko" komplett "von der Festlegung des Katalogpreises bis zum Reisebeginn auf die Kunden abzuwälzen". (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 2 C 239/00) W. B.

Anschlag. Storniert ein Urlauber aus Angst vor terroristischen Anschlägen seine Reise (hier: nach Ägypten), so muss er die geforderten Stornokosten (hier: 180 Mark) bezahlen, da vereinzelte Anschläge am Reiseziel nicht in die Kategorie "höhere Gewalt" einzustufen sind. (Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen: 18 C 47/98) W. B.

Deutsch. Wer von seinem Reiseveranstalter schriftlich zugesichert bekommen hat, dass er mit einer deutschen Fluggesellschaft in Urlaub fliegen wird, der kann gegen Erstattung des Reisepreises vom Vertrag zurücktreten, wenn er mit einer ausländischen Linie befördert werden soll. (Landgericht Köln, Aktenzeichen: 11 S 200/99) W. B.

Storno. Reiseveranstalter dürfen von ihren Kunden, die am Tag der geplanten Reise vom Vertrag zurück treten, kein "100 Prozent Storno" verlangen, weil es möglich ist, dass auch eine solch kurzfristige Absage noch durch den Verkauf der Reise an einen anderen Interessen ausgeglichen werden kann. Außerdem fallen auch bei Nichtverkauf nur die Grundkosten (hier: für den Bus) voll an, nicht aber die variablen (etwa für das Hotel). (Oberlandesgericht Nürnberg, Aktenzeichen: 3 U 1559/99) W. B.

Wertsachen. Lässt ein Paar während eines Tagesausfluges seine Wertsachen (hier: Bargeld, Schmuck, Schecks und Fotoausrüstung) im Hotelzimmer statt im Safe des Hauses, so kann die Hausratversicherung den Schadenersatz wegen grober Fahrlässigkeit verweigern. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 191 C 22815/98) W. B.

Verletzt. Springt eine Urlauberin über eine nur kniehohe Begrenzungsmauer auf dem Hotelgelände und verletzt sich dabei, weil es dahinter steil bergab geht, so muss dafür der Veranstalter gerade stehen, weil er die Gefahr hätte erkennen und beseitigen müssen - abzüglich eines Mitverschuldensanteils von 20 Prozent. (Oberlandesgericht Celle, Aktenzeichen: 11 U 199/97) W. B.

Mücken. Wer auf einer Pauschalreise von Wanzen gepeinigt wird, der kann Schadenersatz vom Veranstalter verlangen, nicht aber (wie hier) nach Mückenstichen, weil es sich dabei um die "Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos" handelt. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 391/97) W. B.

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