Zeitung Heute : Recht und Reisen: Reisegepäckversicherung, Monatsfrist und mehr

Reisegepäckversicherung. Übergibt ein Urlauber in Thailand seinen Rucksack (hier: mit einer teuren Videokamera) einem Trickbetrüger, der sich in einer Reihe von Taxis als Taxifahrer ausgibt, während der echte Taxifahrer mit einem Kollegen plaudert, so kann der Urlauber keinen Schadenersatz von seiner Reisegepäckversicherung verlangen. Als der Urlauber im Taxi Platz nahm, machte sich der Betrüger mit dem Rucksack aus dem Staub. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 123 C 22695/98) W. B.

Monatsfrist. Hat ein Rechtsanwalt bei der Anmeldung eines Reisemangels beim Veranstalter die gesetzliche Monatsfrist nach der Rückkehr aus dem Urlaub seines Mandanten versäumt, so brauchen Schadenersatzansprüche nicht mehr erfüllt zu werden. (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 10 C 515/99) W. B.

Charterflüge. Da Tickets für Charterflüge meistens preislich günstiger zu haben sind als Beförderungsscheine für Linienmaschinen, sind Verspätungen und Routenänderungen im Regelfall hinzunehmen, wenn in den Bedingungen (oder einem Extra-Schreiben) ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass solche Unannehmlichkeiten vorkommen können. Im vorliegenden Fall ging das zu Lasten einer Handballmannschaft, die durch eine Verschiebung ihres Fluges von 8 Uhr 35 auf 17 Uhr ein wichtiges Spiel bei einem Turnier verpasste. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 20/99) W. B.

Katastrophe. Reiseveranstalter sind verpflichtet, die von ihnen angebotenen Reiseziele ständig "im Auge zu behalten", um ihre Kunden zum Beispiel darüber zu informieren, wenn eine Naturkatastrophe die Urlaubsfreude erheblich beeinträchtigen könnte. Waldbrände hatten einen Weiterflug vorübergehend unmöglich gemacht und einen mehrere Tage dauernden Zwischenstopp erzwungen, wofür eine Reisepreisminderung von 100 Prozent zugesprochen wurde. (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 21b C 313/98) W. B.

Hurrikan. Urlauber müssen Hurrikanen tapfer ins Auge blicken. Wer dabei Angst bekommt, kann später vom Reiseveranstalter kein Schmerzensgeld verlangen, entschied das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 16 U 227/99). Denn in Gebieten wie auf der Karibikinsel Antigua kämen die Tropenstürme häufiger vor und gehörten somit zum allgemeinen Lebensrisiko. Außerdem hätten die Kläger durch Kündigung des Reisevertrags der nahenden Naturkatastrophe rechtzeitig ausweichen und vom Veranstalter die Rückbeförderung verlangen können. faf

Getrennte Appartements. Haben drei Urlauberpaare ein gemeinsames Appartement gebucht, werden sie vor Ort aber in getrennten Wohnungen untergebracht und sind die Unterkünfte zudem ungepflegt, die Fenster verrottet und die Küchen verdreckt, so können sie den Reisepreis (hier: um 60 Prozent) mindern. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 O 371/94) W. B.

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