Zeitung Heute : Recht und Reisen: Urteile

W. B.

Rücktritt. Wird eine Verletzung, die sich jemand vor einer beabsichtigten Reise zugezogen hat, der Reiserücktrittskostenversicherung deswegen nicht gemeldet, weil die Hoffnung bestand, dass der Urlaub dennoch angetreten werden könne, so braucht die Versicherung nicht zu leisten, wenn der Kunde doch nicht "pünktlich" gesund wird. (Urteil am Landgericht Osnabrück, Aktenzeichen: 12 S 816/99) W. B.

Telefax. Das Sendeprotokoll eines Telefax allein genügt nicht, um nachzuweisen, dass einem Reiseveranstalter binnen eines Monats nach Rückkehr aus dem Urlaub (= Fristablauf) die Reklamation zugegangen ist, wenn der den Eingang bestreitet. Denn bei der Übertragung von Faxen kann es "zu Störungen kommen, ohne dass dies vom Absendegerät registriert wird". (Das Gericht empfahl, telefonisch den Eingang des Fax bestätigen zu lassen.) (Landgericht Hamburg, Aktenzeichen: 317 S 23/99) W. B.

Kreuzfahrt. Eine Kreuzfahrt, die nicht auf einem Schiff "mit Mast und Segel" stattfindet (hier: auf einem reinen Motorschiff), bringt wegen der weniger romantischen Antriebsart einen geminderten Urlaubsgenuss und rechtfertigt eine nachträgliche Preisminderung um 15 Prozent - wenn im Reisekatalog bei dem betreffenden Angebot ein Segelschiff abgebildet und in der Beschreibung von einem "Motorsegelschiff" die Rede war. (Landgericht Hamburg, Aktenzeichen: 317 S 102/00) W. B.

Gestank. Liegt eine Kläranlage direkt neben einem Urlaubshotel, so können die Gäste des Hotels den Reisepreis nachträglich mindern (hier: um 40 Prozent), wenn "starke Geruchsbelästigungen" aufgetreten sind. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 31 C 585/00) W. B.

Zahlungsunfähig. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Rechte der Reisenden bei Versicherungen gegen die Zahlungsunfähigkeit von Reiseveranstaltern gestärkt. In einem soeben in Karlsruhe veröffentlichten Urteil erklärte er Klauseln einer Versicherung für unwirksam, die die Erstattung bereits geleisteter Zahlungen einschränken. Damit hatte die Klage eines Verbraucherschutzvereins Erfolg. Auf dessen Revision hin wurde ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln aufgehoben. dpa

Hähnekrähen. Pauschaltouristen können keine nachträgliche Reisepreisminderung verlangen, weil sie sich morgens durch vor ihrem Appartement in der Türkei krähende Hähne gestört fühlten. "Geringe Unzulänglichkeiten" müssen von Reisenden hingenommen werden, "besonders wenn es sich um landestypische Gepflogenheiten" handelt, weil oft das Leben in anderen Ländern "noch durch eine enge Naturverbundenheit bestimmt" wird. (Landgericht Kleve, Aktenzeichen: 6 S 280/00) W. B.

Ältere. Verbringt ein junges Paar in einem spanischen Mittelklassehotel seinen Urlaub mit einer Gruppe alter, zum Teil pflegebedürftiger Senioren, so kann es keine Reisepreisminderung verlangen, weil es dem Veranstalter nicht zuzumuten ist, alte und pflegebedürftige Urlauber von anderen Reisenden zu isolieren. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 4362/99-24) W. B.

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