Zeitung Heute : Recht und Reisen

W. B.

Verwahrlost. Ist das Apartment einer Urlauberin völlig heruntergekommen (hier: quietschende Betten, Möbel verschlissen, Klimaanlage und Küchengeräte defekt), so kann sie zwar nicht den vollen Reisepreis verlangen und abreisen. Die Mängel bringen ihr allerdings eine Preisminderung von insgesamt 25 Prozent. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 35 C 1387/99) W. B.

Kreuzfahrt. Nimmt ein Urlauberehepaar an einer Kreuzfahrt teil, so kann es keine Reisepreisminderung verlangen, wenn das Schiff durch den Seegang ständig schaukelt. Der Reiseveranstalter kann auf das Wetter keinen Einfluss nehmen. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 274 C 234427/00) W. B.

Tresoraufbruch. Behauptet ein Urlauber, dass der Tresor in seinem Zimmer zwei Mal aufgebrochen worden sei - mit der Folge, dass danach 300 US-Dollar fehlten, sind die dafür vorgetragenen neuen Fakten aber haltlos, so kann der Hotelbesitzer seinen Gast wegen Betrugsversuchs des Hauses verweisen. Bringt er ihn dann in einem gleichwertigen anderen Hotel unter, so liegt kein Reisemangel vor, der eine Preisminderung (hier gefordert: 40 Prozent) rechtfertigt. (Landgericht München I, Aktenzeichen: 20 S 16835/01) W. B.

Verdacht. Wird der Sohn einer Urlauberfamilie kurz nach der Buchung der Reise krank (hier: Gesichtslähmung), so kann die Familie die Stornokosten nicht von ihrer Reiserücktrittskostenversicherung verlangen, wenn sie mit der Stornierung in der Hoffnung der Besserung bis kurz vor Reiseantritt wartet. Sie hätten nach Bekanntwerden der Diagnose davon ausgehen müssen, dass sie ihren Urlaub wahrscheinlich nicht antreten können. (Landgericht München I, Aktenzeichen: 14 S 4970/00) W. B.

Kakerlaken. Um wieviel Prozent kann der Preis für eine Pauschalreise nachträglich gemindert werden, wenn Ungeziefer den Urlaubsgenuss erheblich beeinträchtigt hat? Hier wurden "mindestens zehn" Kakerlaken pro Tag im Hotelzimmer gezählt, die Reisepreisminderung wurde auf zehn Prozent festgesetzt. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 36 C 65/01) W. B.

Verdienstausfall. Kommt das Gepäck von Pauschalreisenden mit fünftägiger Verspätung an, so dass eine erneute Fahrt zum Flughafen erforderlich wird, um es abzuholen, muss der Reiseveranstalter die Kosten für die Fahrt sowie den Verdienstausfall ersetzen - nicht jedoch die Aufwendungen für zwischenzeitlich gekaufte Toilettenartikel als Ersatz für die in den Koffern befindlichen Fläschchen und Tuben. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/21 O 616/00) W. B.

Zu klein. Behalten sich Reiseveranstalter eine Mindestteilnehmerzahl vor, können sie die Reise jederzeit mangels Nachfrage absagen. Wollen Kunden ihren Vertrag kündigen, weil zu wenig Reiseteilnehmer dabei sind, geht das nicht. Dies zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Idstein (Aktenzeichen: 3 C 453/01). tdt

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