Zeitung Heute : Recht und Reisen

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Ersatzhotel. Eine Unterbringung in einem Hotel rund 100 Kilometer vom gebuchten Zielort entfernt, ist ein Reisemangel. Sind zudem die Bewegungsmöglichkeiten wegen einer Naturkatastrophe eingeschränkt, kann der Reisepreis um 35 Prozent gemindert werden. Kündigt der Urlauber die Reise daraufhin gleich nach Ankunft am Urlaubsort, muss der Reiseveranstalter sogar für eine schnelle Rückreisemöglichkeit sorgen und noch mehr Geld zurückerstatten. Eine entsprechende Entscheidung traf das Amtsgericht Bad Homburg (Aktenzeichen: 2 C 1138/99), wie die Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet. In dem verhandelten Fall hatte der Kläger eine Reise in die Dominikanische Republik gebucht. Schon am Flughafen hatte er erfahren, dass sein Hotel von einem Wirbelsturm zerstört worden war. Die Straßen zu dem 100 Kilometer entfernt liegenden Ersatz-Hotel waren weitgehend unpassierbar geworden. Dass der Kläger gleich nach seiner Ankunft einen sofortigen Rückflug verlangt hatte, sei als Kündigung des Reisevertrages zu verstehen, so die Richter. Daher sei der Veranstalter zu einer unverzüglichen Rückbeförderung verpflichtet gewesen. dpa

Sitzplatzbreite. Wird im Katalog mit der Breite eines Sitzplatzes im Flugzeug geworben, muss sich die Angabe auf die reine Sitzfläche beziehen. Weicht die tatsächliche Breite von der angegebenen ab, ist das zumindest in gehobenen Klassen als Reisemangel zu werten. So entschied das Amtsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen: 49 C 7145/00), wie die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt am Main herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet. In dem verhandelten Fall hatte der Kläger eine Reise nach Thailand samt Flug in der so genannten First-Comfort-Class gebucht, die unter anderem mit einem größeren Abstand zwischen den einzelnen Reihen und einer Sitzbreite von 63,5 Zentimetern größeren Komfort bieten soll. Im Flugzeug stellten sich die Sitze jedoch als deutlich schmaler heraus, weil die Armlehnen mitgerechnet worden waren. Das sei jedoch nicht rechtens, entschieden die Richter. Eine Minderung des Aufpreises um ein Drittel sei daher gerechtfertigt. dpa

Vertragsrecht. Ein Reiseveranstalter kann von dem Gericht, vor dem er sich wegen einer vom Verbraucherverband beanstandeten Klausel im Reisevertrag verantworten muss, nicht verlangen, eine weitere - von ihm ersatzweise eingereichte - Klausel darauf zu überprüfen, ob sie in Ordnung ist. Es ist nicht Aufgabe des Gerichtes, für den Veranstalter eine Regelung zu finden, die "eventuell den gesetzlichen Anforderungen standhält". (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 6 U 124/01) W. B.

Abholung. Bei der Rückkehr aus den Ferien müssen Pauschalurlauber mit Veränderungen im Flugplan rechnen. Dies sollte auch bei eventuellen Abmachungen über die Abholung am Heimatflughafen berücksichtigt werden. Können solche Abmachungen nicht eingehalten werden, trägt der Reisende allein das Risiko. Auf ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Hamburg (Aktenzeichen: 18A C 393/00) macht die Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" aufmerksam. Im konkreten Fall war eine Abflugzeit für die Rückreise nach Deutschland vorverlegt worden. Urlauber, die sich vom Flughafen abholen lassen wollten, nahmen sich daraufhin einen Mietwagen und wollten die Kosten dafür sowie Telefonkosten vom Reiseveranstalter erstattet bekommen. Das Gericht wies die Klage aber als unbegründet ab, da bei Charterflügen in der Hauptsaison solche Veränderungen stets einzukalkulieren seien. dpa

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