Zeitung Heute : Rechte Gefahr: Braune Seiten: www.heil-hitler.de

Markus Ehrenberg

Wer ist verantwortlich für gefährliche Websites und volksverhetzende Internet-Adressen? Zum Beispiel für " www.heil-hitler.de ", für "www.adolf-hitler.de" und für " www.hitler-adolf.de ". Die Weitergabe und Freischaltung dieser drei Internet-Adressen durch den Berliner Provider Strato AG und die Denic, der deutschen Zentralstelle für die Vergabe von Internet-Adressen, sorgte am Montag für Aufregung.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war in der vergangenen Woche die deutsche Internet-Adresse " www.heil-hitler.de " vergeben worden. Die Denic trug die Adresse am Donnerstag vergangener Woche in ihr Verzeichnis ein. Nach der Veröffentlichung in der FAZ wurde sie am Montag allerdings wieder gelöscht. Beantragt worden war der Name von einem Ralf K., wohnhaft im Landkreis Schwerin, bei der Strato AG. Diese habe den Antrag ohne weitere Prüfung unmittelbar an die Frankfurter Denic weitergeleitet, wo der Name der Homepage offenbar ebenfalls keinen Anstoß erregt habe. Laut FAZ will das Bundesamt für Verfassungsschutz prüfen lassen, ob die Domain den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Der Sprecher des Kölner Amtes, Hans-Gert Lange, sagte: "Das kann man wirklich nicht machen."

Bei der Strato AG ist man sich keiner Schuld bewusst. "Wir haben die drei Adressen sofort sperren lassen, nachdem wir von Internet-Nutzern darauf hingewiesen worden sind. Wir sind auf diese Tipps angewiesen, da die Beantragung und Vergabe der Internet-Adressen ein automatisierter Prozess ist", sagte Strato-Sprecher Sören Heinze dem Tagesspiegel. Strato hortet 1,2 Millionen Internet-Adressen, täglich kommen bei anderen Providern weltweit sieben Millionen dazu. Kontrolle oder Prüfung sei da schwer möglich. Darüber hinaus hafte der Inhaber einer Website für Adresse und Inhalt. Theoretisch bestünde sogar die Chance einer Klage des Provider-Kunden, sollte dessen Website vom Provider gesperrt werden, so Heinze. Es sei denn, es gebe Hinweise auf rechtswidrige Inhalte einer Internet-Seite, zum Beispiel auch bei Pädophilie-Verdacht.

Im aktuellen Fall sei unklar, ob die Domainbestellung einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Es könne sich auch um eine vorbeugende Reservierung handeln, die jemand vorgenommen habe, um die Adresse vor der Verwendung durch Rechte zu schützen. Auch die Denic wehrt ab. Eine Überprüfung der Namen finde in Frankfurt nicht mehr statt, sagte ein Sprecher. "Wir tragen 200 000 Namen im Monat ein." Das könne sich niemand mehr im Detail angucken. Man sei davon ausgegangen, dass der Name bei der Strato AG überprüft worden sei.

Leichtes Spiel also für Rechtsextreme und neue Websites im Internet? Wohl eher nicht. Am Montagabend begründete die Denic die Löschung von " www.heil-hitler.de " damit, dass "der Domain-Name offensichtlich strafrechtswidrig ist und somit nach den Bestimmungen der Denic nicht registriert werden kann." Die zweite inkriminierte Web-Adresse war gesperrt, die dritte Seite war ohne Inhalt. Grundsätzlich gilt indes: Die wirklich gefährlichen Nazi-Seiten haben sowieso Tarn-Adressen.

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