Zeitung Heute : Rechts von der Moschee

In Duisburg baut ein NPD-Freund

Jürgen Zurheide[Duisburg]

Wenn Helga Maria Poll über Immigration redet, dauert es nicht lange, bis Worte wie „Verständigung“ oder „unsere türkischen Mitbürger“ fallen. Oft geht es dann um den Duisburger Stadtteil Marxloh. Die Alteingesessenen und die vielen Zuwanderer, die dort in den zurückliegenden 30 Jahren eine neue Heimat gefunden haben, sagt Helga Maria Poll dann, sollten aufeinander zugehen. Sich gegenseitig kennenlernen. Üblicherweise lächelt sie dazu, wenn sie über dieses Thema spricht. Im Moment ist das anders. Denn die Duisburger CDU-Politikerin weiß, es gibt derzeit etwas, das ihre Integrationsarbeit der vergangenen Jahre in den Schatten stellt. Sie hofft, dass diese nicht größeren Schaden nimmt.

Eine Moschee wird gebaut in Marxloh, eine der größten im Land – und die Lokalzeitungen schrieben, der Bauherr sei ein Mann mit rechtsextremer Vergangenheit. Bauherr stimme nicht, schimpft Helga Maria Poll. Bauherr sei die Ditib-Gemeinde – Ditib steht für „Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion“. „Und da gibt es niemanden mit brauner Vergangenheit.“ Es ändert nichts daran, dass die mit dem Bau beauftragte Solinger Firma, Kissel-Rapid GmbH, die an dem rund acht Millionen teuren Bau verdient, in diesem Zusammenhang doch Anlass zu Nachfragen gibt. Denn Günther Kissel, 89 Jahre alt und einer der Eigentümer, ist in Staatsschutzkreisen unter anderem als Sponsor rechter Organisationen bekannt. So spendete er der örtlichen NPD Geld. Und der Sprecher der Solinger Polizei, Gustav Horn, sagt: „Wir haben Herrn Kissel als ,rechten Organisationen nahe stehend eingestuft.“ Mehr als einmal hat Kissel demnach öffentlich rechtsradikales Gedankengut verbreitet.

Die Ditib-Gemeinde sieht sich nun kritischen Fragen ausgesetzt. Ebenso Frau Poll von der CDU. Denn sie sitzt im Beirat für das Moschee-Projekt und dessen Begegnungsstätte. Die Kernfrage ist, warum der Verein diesen Bauunternehmer akzeptiert hat.

Helga Maria Poll sagt: „Wir müssen aufpassen, dass nicht jahrelange Integrationsarbeit kaputtgemacht wird.“

Züfiye Kaykin, die Geschäftsführerin der Begegnungsstätte, gibt zu, „seit einigen Monaten“ Bescheid gewusst zu haben. Bei Recherchen im Internet sei der Gemeinde aufgefallen, dass der Name Kissel in rechten Kreisen einen guten Klang hat. Das Entsetzen sei dementsprechend groß gewesen. Zu spät, wie es scheint. Das Projekt war europaweit ausgeschrieben, die zu Rate gezogenen Juristen und Vergabespezialisten signalisierten, das Gesinnung keinen Vertrag breche. „Kissel hat eine Ausschreibung klar gewonnen, wenn wir ihm den Auftrag entzogen hätten, wäre eine Konventionalstrafe von 700 000 Euro fällig geworden“, sagt Kaykin. „Dann wäre das Projekt tot gewesen, wir haben das Geld nicht“.

Also bauen sie weiter mit Kissel. Und behelfen sich mit Dingen, die ihnen positiv erscheinen. Kaykin sagt, Kissel Senior greife in die Firma nicht mehr aktiv ein und überlasse das operative Geschäft einem Geschäftsführer, der nicht nur beim Duisburger Bauprojekt Menschen mit Migrationshintergrund beschäftige.

Kaykin ist eine junge Frau mit gefärbten Haaren und sehr modischer Kleidung. Sie sagt, sie möchte ihren Kindern ein anderes Umfeld bieten, als sie es selbst in Marxloh erlebt hat. Sie freut sich, dass sie künftig nicht mehr in einer wenig erbaulichen Hinterhofmoschee beten muss. „Als Fremder braucht man Symbole“, sagt sie. Doch im Gespräch merkt ihr das Unbehagen darüber an, dass nun diese Angelegenheit im Umlauf ist, die als ungutes Symbol verstanden werden könnte.

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