Zeitung Heute : Recyceln statt entsorgen

Wie die Erde im Garten lebendig bleibt

Helga Panten

Gartenbesitzer wissen: Erde ist kein totes Material. In gut gepflegtem Boden ringeln sich Würmer, zappeln Tausendfüßler, hausen Asseln. Sie sind nur der sichtbare Teil des Bodenlebens, das dafür sorgt, dass „Abfälle“ wie Tier- und Pflanzenreste verarbeitet und zu pflanzenverfügbaren Molekülen aufgeschlossen werden. So entsteht ein geschlossener Stoffkreislauf – auch im Garten, wenn es nur zugelassen wird.

Auf zehn Milliarden können sich die Bodenorganismen in einem Liter fruchtbaren Bodens addieren. Sie bilden ein perfektes Recycling-System. Für Milben, Fadenwürmer und Amöben, für Bakterien, Algen und Pilze sind organische Substanzen wie Rasenschnitt, Herbstlaub oder Gemüseabfälle Nahrung. Fällt sie reichlich an, vermehren sie sich gut. Je mehr sie das tun, desto lebendiger, humusreicher, fruchtbarer und besser strukturiert ist der Boden.

Steht dagegen nur wenig organische Substanz zur Verfügung, verarmt der Boden. Sein Wasserhaltevermögen nimmt ab, er verdichtet und wird unfruchtbar. Wird nicht gegengesteuert, verlangsamt sich das Wachstum, die Pflanzen kümmern. Zwar lässt sich der Nährstoffverlust durch Düngen ausgleichen. Die positiven Auswirkungen auf die Bodenstruktur leistet Dünger aber nicht, die bringt nur der Humus. Also heißt es: Möglichst wenig dem Stoffkreislauf des Gartens entziehen und notfalls aus vertrauenswürdiger Quelle zukaufen.

Kompostieren ist der bekannteste Weg, Gartenabfälle aufzubereiten. Es sollten annähernd gleich viele trockene Stoffe wie Herbstlaub, Stroh oder Zweige und saftige wie Rasenschnitt, Mist oder Kartoffelschalen auf den Kompost wandern. All das wird gut zerkleinert, gründlich gemischt und angefeuchtet. Im kleinen Garten kann das in einer geschlossenen Komposttonne geschehen. Wo mehr Platz ist und viel Material anfällt, eignet sich der klassische Komposthaufen besser.

Mit Aufschichten und Umsetzen beansprucht der Kompost Zeit und Kraft. Wem das zu viel ist, der macht es der Natur nach und setzt auf Flächenkompostierung. So wie im Wald das Laub an Ort und Stelle verrottet, so können auch im Beet Pflanzenreste, Grasschnitt oder Küchenabfälle zerkleinert und flächig verteilt werden. Eine dicke Mulchschicht entsteht dann zwischen Sträuchern und Stauden. Die Mulchschicht liefert nicht nur Nährstoffe. Sie schützt den Boden auch vor Hitze und Kälte. Er trocknet weniger aus und verschlämmt nicht bei Regen. Samenunkräuter haben kaum Chancen.

So vorteilhaft das alles ist, viele Menschen empfinden Flächenkompostierung als unordentlich. Als Alternative zum Mulchen sind aber auch eigener oder zugekaufter Kompost, Rindenkompost, Sägemehl, Stroh und Ähnliches geeignet.

Werden im Garten größere Flächen frei, bietet sich Gründüngung an. Einjährige Pflanzen keimen rasch und bilden eine grüne Decke, die ähnliche Vorzüge besitzt wie der Mulch. Sterben sie ab, liefern sie organische Masse, also Humus, für den Boden. Aber damit nicht genug.

Die ersten beiden leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die den Luftstickstoff binden können. Zerfallen sie, setzen sie Stickstoff frei für nachfolgende Pflanzen. Die anderen drei gelten als natürliche Bodenmedizin, die Bodenmüdigkeit, krankmachende Pilze und Bakterien unterdrückt. So lässt sich der Boden natürlich gesund und lebendig halten. dpa

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