Zeitung Heute : Regen im Speisesaal: Reisende erhalten bei Mängeln oft eine Preisminderung, doch sie brauchen konkrete Beweise

Karl M. Wilhelm

Schon in wenigen Wochen beginnen in Berlin die Schulferien und die jährliche große Reisewelle wird beginnen. Wer dabei in südliche Urlaubsländer reist, ist oft mit Verhältnissen konfrontiert, die dem gewohnten heimatlichen Niveau nicht entsprechen. Ortsübliche Gegebenheiten haben Reisende zwar hinzunehmen, allerdings müssen sie nicht jede Einschränkung dulden. Das Amtsgericht Kleve hatte einen Fall zu beurteilen, der dafür ein Beispiel gibt, obwohl er in sonnigen Gefilden eher selten ist: Im Speisesaal des von dem Kläger des Rechtsstreits gebuchten Hotels tropfte es bei Regen durch die Decke und der Fernsehempfang im Appartement war bei Regen erheblich gestört.

Für den entgangenen Genuss des Fernsehprogramms sprach der Amtsrichter eine Minderung von fünf Prozent zu. Das Argument des Reiseveranstalters, atmosphärische Störungen habe er nicht zu vertreten, ließ das Gericht nicht gelten. Wenn im Reisekatalog nicht darauf hingewiesen wird, dass es bei Regenwetter zu Störungen des Bildempfangs kommen kann, muss jeder Reisende davon ausgehen, dass die sein Appartement bedienende Satelliten-Anlage stets einwandfrei funktioniert.

Die Regentropfen im Speisesaal führten zu einer Minderung von 7,5 Prozent. Wäre der Speisesaal gänzlich unbenutzbar gewesen, wäre der Minderungsbetrag höher ausgefallen. Da die Beeinträchtigung lediglich bei Regenwetter auftrat und nicht zu klären war, wieviele Tropfstellen wo festzustellen waren, sah sich das Gericht außerstande, eine weitergehende Minderung zuzusprechen (AG Kleve Az: 3 C 452 / 98).

Wird der Erholungswert einer Urlaubsreise durch die Auswirkungen von Regenfällen beeinträchtigt, ist - wie bei sonstigen Mängeln - sofort die örtliche Reiseleitung zu informieren. Darüber hinaus sollte festgehalten werden, an welchen Tagen und in welchem Umfang Störungen infolge des Regens aufgetreten sind.

Diese Umstände sollten bereits vor Ort von Mitreisenden schriftlich bestätigt werden. Denn im Zivilprozess - ein solcher ist gegen das Reiseunternehmen im Streitfall zu führen - muss der Kläger, das heißt, der Reisende, nachweisen, in welchem Maß seine Reise beeinträchtigt worden ist. Und ohne konkrete Beweismittel stehen die Chancen für die Durchsetzung des Rechts auf Reisepreisminderung für den Betroffenen schlecht.

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