Zeitung Heute : Reich und konservativ Die Deutschen horten Billionen – ohne Risiko

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Die Deutschen sind reich – rein rechnerisch: Auf rund vier Billionen Euro türmt sich der Geldvermögensbestand privater Haushalte. 4000000000000 Euro! Nach Berechnungen des Verbands der Volks und Raiffeisenbanken hat im Durchschnitt jeder Haushalt 100700 Euro zur Seite gelegt, denen Verbindlichkeiten von 39800 Euro gegenüber stehen.

Mit ihrem Geld – dessen Verteilung die Durchschnittsbetrachtung außen vor lässt – gehen die Deutschen höchst konservativ um. Der Sparkassen und Giro-Verband meldete Ende Oktober: „Das Sparbuch bleibt ein Klassiker.“ Trotz Mini-Verzinsung, die kaum mehr als einen Inflationsausgleich bietet, klammern sich die Sparer an sichere Anlagen. Jeder vierte Euro des Geldvermögens ist bei Versicherungen angelegt, der Anteil von Investmentfonds liegt bei zwölf Prozent, die Aktienquote beträgt nur sechs Prozent.

„Die Vertrauenskrise am Aktienmarkt dauert an“, klagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). Anders als in benachbarten Ländern zögen die deutschen Anleger immer noch ihr Geld aus Aktien und Aktienfonds ab. Auf 3,8 Milliarden Euro summieren sich laut BVI im laufenden Jahr die Abflüsse bei Aktienfonds. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 steckten Anleger noch 66 Milliarden Euro in diese Produkte. Obwohl die Werbetrommel für Investmentfonds gerührt wurde, haben sich drei von vier Haushalten noch nicht für das Produkt erwärmen können.

Dabei kann die Fondsbranche – trotz negativer Ausreißer – auf eine insgesamt beeindruckende Rendite-Bilanz verweisen. In einer Statistik, die bis ins Jahr 1950 zurück reicht, rechnet der BVI für alle 25-jährigen Anlagezeiträume – einschließlich der Crash-Jahre – eine deutlich positive Rendite aus. So wurden aus 10000 Euro Startkapital im besten Zeitraum in 25 Jahren 300700 Euro, im schlechtesten Zeitraum waren es immerhin 41000 Euro. Durchschnittlich belief sich das Endvermögen auf 112000 Euro.

Anleger, die Erfahrungen an der Börse gesammelt haben, machen häufig die gleichen Fehler. Oliver Hagedorn, Geschäftsführer des Berliner Vermögensverwalters Avesco Financial Services, erkennt „bei acht von zehn Depots, bei welcher Bank sie geführt werden“. Das heißt: Viele Anleger begnügen sich immer noch mit den Produkten ihrer Hausbank, die nicht immer am besten abschneiden. Und: „Kaum jemand hat die Risiken im Griff“, sagt Hagedorn, der für den Tagesspiegel Depots im Gesamtwert von zehn Millionen Euro unter die Lupe genommen hat. Sein Tipp für den Durchschnitts-Anleger: Keine Einzelaktien und das Risiko mit wenigen guten Fonds streuen. mot

Bis zum 30. November bietet der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit Avesco einen kostenlosen Depotcheck an. Infos unter www.tagesspiegel.de/depotcheck oder 0800/0283726.

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