Zeitung Heute : Reiche mögen Arme nicht

Studie warnt vor sozialer Kälte

Berlin - Der Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer warnt vor einer „Vereisung des sozialen Klimas“ in Deutschland. Insbesondere Besserverdienende verweigerten zunehmend schwachen Gruppen ihre Unterstützung, sagte Heitmeyer bei der Vorstellung des neunten Bandes der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“, die das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld seit 2002 erstellt. Mehr als die Hälfte der Höherverdienenden, also Personen mit einem Nettoeinkommen ab etwa 2600 Euro monatlich, werteten Langzeitarbeitslose ab. Das ist ein dunkler Spitzenwert, die Angehörigen von gesellschaftlichen Gruppen mit geringerem Einkommen sind gegenüber Langzeitarbeitslosen weniger negativ eingestellt. Heitmeyers Team hatte im Frühjahr insgesamt 2000 repräsentativ ausgewählte Personen befragen lassen.

Als einen Grund für die wachsende „Entsolidarisierung“ bei Besserverdienenden, die bundesweit knapp 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, nannte Heitmeyer die Finanzkrise. Manche Aktienbesitzer hätten ihr Vermögen zumindest teilweise eingebüßt. So steige der Anteil der Höherverdienenden, die meinen, nicht ihren gerechten Anteil zu erhalten. Gleichzeitig wüchse bei ihnen auch die Islamfeindlichkeit deutlich. Außerdem hätten im Vergleich zu 2009 rechtspopulistische Einstellungen überhaupt unter ihnen zugenommen.

Unterdessen hat der Bundestag am Freitag mit den Stimmen von Union und FDP die Hartz-IV-Reform verabschiedet. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Nach dem Willen der Koalition sollen ab Januar 2011 die Hartz-IV-Regelsätze für Erwachsene um fünf auf 364 Euro pro Monat steigen. Ein Bildungspaket im Umfang von 740 Millionen Euro soll rund zwei Millionen bedürftigen Kindern zugutekommen. fan/epd

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