Reichenbachs Oberbürgermeister Kießling im Interview : „Bei uns herrscht keine Pogromstimmung“

Was sagen Sie zu der Auffassung des Gerichts in Zwickau?



Die ist für uns erfreulich – nicht weil wir verurteilen wollten, sondern weil in unserer Bevölkerung ein enormes Informationsbedürfnis hat.

Kann das nur durch Nennung der Namen der IM befriedigt werden?

Es kommt darauf an, was einer getan hat. Nach dem, was ich über IM „Schubert“ in der Ausstellung gelesen habe, war das eine Person in herausgehobener Funktion. Wenn sich einer aus niedersten Beweggründen taufen lässt und andere ans Messer liefert, ist das für mich Grund genug, den Namen öffentlich zu nennen.

Wie schätzen Sie die Stimmung in Ihrer Stadt ein?

Von Pogromstimmung kann keine Rede sein. Die Mehrheit plädiert für die Namensnennung, aber es gibt auch andere Meinungen. Ich habe eine Mail von ehemaligen Mitstudenten des IM bekommen, die schreiben: „Erinnern kann nicht gerichtlich verboten werden“ und dem IM sogar das Gespräch anbieten. Ich denke, das ist die richtige Haltung.

Dieter Kießling ist Oberbürgermeister der Stadt Reichenbach im Vogtland. Der 57-Jährige gehört der CDU an. Mit ihm sprach Matthias Schlegel.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar