Reichenforschung : Viel Geld, aber keine Empathie

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Geld ist ja nicht per se eine Schande, Geld zu haben auch nicht. Man kann damit schließlich viele schöne Dinge tun, ist zwar, weil Geld das bekanntlich macht, unglücklich, das aber auf hohem Niveau. Nur die Kinder derer, die Geld haben, die haben es verdammt schwer. Golfkurs, Segelkurs, Jurastudium respektive eins der Kunstgeschichte, wie soll das einer oder eine alles bewältigen? Und ausgeschlossen von der Mehrheit der Gesellschaft sind sie auch. Wissen nicht, wie man eine U-Bahnfahrkarte löst, können keine Annonce für eine Mietwohnung lesen, weil die Eltern mit Geld schon beizeiten für eine Eigentumswohnung gesorgt haben, können bei diesem Wetter nicht die Vorzüge eines Freibades genießen und müssen stattdessen in den haus- und familieneigenen winzigen Pool springen, schön ist das nicht. Mithin: Bedauernswerte und lebensuntüchtige Geschöpfe, diese Kinder reicher Eltern. Zur Illustration seien nur zwei Menschen erwähnt, zum einen dieses Persönchen mit dem Vornamen einer Stadt in Frankreich und dem Nachnamen einer Hotelkette, zum anderen dieser Adelige mit Vornamen KT.

Nun haben sich die Forscher der University of California der Kinder reicher Eltern angenommen. Und in Deutschland hat die Zeitschrift „Psychologie heute“ über die Ergebnisse der Studien berichtet.

300 Probanden wurden Fotos gezeigt, unter den Probanden Kinder reicher Eltern und Kinder aus mittleren und niedrigeren sozialen Schichten. Dann sollten die Versuchskaninchen, die reichen und die armen, aus der Mimik der Personen auf den Fotos deren Emotionen und deren Intensität benennen. Wut, Trauer, Freude, Glück, Euphorie, solche Sachen eben. Anschließend wurde ein fiktives Vorstellungsgespräch geführt, nochmal anschließend sollten die Reichen und die Armen sich über die Gefühle der Mitbewerber während des Interviews auslassen. Um es kurz zu machen: Auch in dieser Übung aus dem Leben des Alltäglichen waren die Kinder reicher Eltern eindeutig im Nachteil. Es mag Ausnahmen geben, aber unterm Strich, so die Forscher, sind die Kinder aus weniger begüterten Schichten viel stärker auf die Kooperation mit anderen angewiesen und haben dadurch ein wesentlich besseres Einfühlungsvermögen entwickelt. Man möchte echt kein Kind reicher Eltern sein. Wo der Mangel an Empathie hinführt, hat und sieht man immer wieder an diesem Adeligen KT und diesem frankophilen Persönchen mit dem Hotel hintendran.Helmut Schümann

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