Zeitung Heute : Reichlich Lack gelassen

Steglitzer Parkhäuser im Praxistest: Enge Einfahrten oder dunkle Treppen – mängelfrei ist kein Haus

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Zum fünften Mal spuckt der Parkscheinautomat den Zehn-Euroschein wieder aus. Dem Fünfer geht es nicht besser. Und Hartgeld haben wir nicht. Na, kein Problem. Für solche Fälle gibt es sicher den Notrufknopf. Da meldet sich auch prompt eine Stimme und schickt uns aufs Parkdeck drüber. Da müssen wir wohl hin, immerhin gibt es sonst keine Ausfahrt aus dem Parkhaus an der Schloßstraße 110. Schade nur, dass uns der Automatendefekt nicht zum ersten Mal in diesem Monat auffällt.

Dabei ist das Parkhaus das beste, das wir an der Steglitzer Haupteinkaufsstraße gefunden haben. Bequem kommt man im Parkhaus an der Schloßstraße 110 auf kurzem Weg über die Rolltreppe ins Getümmel zwischen Hugendubel und Saturn. Rappelvoll, hell und sauber ist es auch. Allerdings fehlen hier, wie bei den anderen Kandidaten auch, die Fußgängerwege. Keines der Parkhäuser an der Schloßstraße hat das Zertifikat des ADAC, der seit 20 Jahren „das benutzerfreundliche Parkhaus“ überprüft.

Das gefährlichste und düsterste Parkerlebnis der Schloßstraße erwartet den Autofahrer in der „Galleria“. Schon die Einfahrt an der Deitmerstraße 3 wird zum Abenteuer. Eine Ampel zeigt an, ob uns auf der einen Spur, die als Ein- und Ausfahrt dient, gerade ein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Die steile serpentinenartige Abfahrt ist nichts für Fahranfänger oder ängstliche Menschen. Hier haben große Fahrzeuge schon reichlich Lack gelassen, wie man an der Wand sieht. Es ist eng und düster, das Treppenhaus gar mit Müll voll gestellt. Der Fahrstuhl zu den „Galleria“-Etagen immerhin ist hell und freundlich.

Wer wissen will, wie Berlins Straßen in einigen Jahren vielleicht aussehen, sollte das Karstadt-Parkhaus an der Ecke Treitschkestraße mit Stellplätzen unter freiem Himmel besuchen. Die Fahrbahndecke ist ein Flickenteppich. Das gepflegte Ambiente, das Wertheim seinen Kunden bieten will, gilt offenbar nicht für die Parkplätze. Der Kunde fährt an verrosteten Containern vorbei in das Parkhaus, in dem Kunden nur in letzter Sekunde vorbeifahrenden Autos ausweichen können. Die Fenster sind mit Gitterdrähten versehen.

Das Forum Steglitz, mitten in der Modernisierung, hat sein Parkhaus trotz der Bauarbeiten geöffnet. Die Frauenparkplätze sind in der einstigen Farbe der Frauenbewegung (für Jüngere: Lila) gestrichen. Übel ist der Geruch: In den Treppenhäusern zur Gutsmuths- und zur Bornstraße verschaffen sich manche Besucher offenbar Erleichterung von dringenden Bedürfnissen.

Noch steht auch der Kreisel und mit ihm sein dunkles und unfreundliches Parkhaus. Das Haus ist menschenleer. Wenigstens kann man sich hier gut orientieren: Die Parkdecks haben Städtenamen.

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