Zeitung Heute : Rein in den Raum!

Zukunftsdesign: Das Duo Sauter und Ängeslevä

Magdalena Ulrich

„Wir unterrichten keine Rezepte, sondern das Thema Speisen allgemein“, erklärt Joachim Sauter, Professor für Gestaltung mit digitalen Medien an der UdK Berlin. Gemeinsam mit dem 20 Jahre jüngeren Gastprofessor Jussi Ängeslevä leitet er die „Digitale Klasse“ der Fakultät Gestaltung. Deren Studenten erlernen bewusst keine Design-Anleitungen, sondern erlangen ein tiefgreifendes Verständnis für die neuen Medien. Sauter und Ängeslevä arbeiten auch außerhalb der UdK Berlin als erfolgreiches Design-Duo zusammen. Ihre Arbeit wurde u.a. mit dem red dot design award und einem Goldenen Löwen in Cannes ausgezeichnet.

Sauter ist Mitbegründer der Berliner Design-Agentur art+com, die seit 22 Jahren das Potenzial des damals jungen Mediums Internet für Kunst und Design erforscht und umsetzt. Die UdK bildet seit 1991 Künstler und Designer im Bereich Gestalten mit digitalen Medien aus.

Sauter und Ängeslevä haben eine präzise Idee von den Zukunftstendenzen des Design: „Wir nennen es die Renaissance des Raumes und des Objektes. Seit Jahren sitzen wir isoliert zu Hause vor dem Computer und vor den virtuellen Welten. Nun haben wir wieder das Bedürfnis nach Realräumen und physischen Kommunikationsobjekten." Sauter erklärt, dass die Gestaltung von Räumen und Objekten heute aber die Errungenschaften der neuen Medien einschließt. „Wir versuchen auch im realen Raum Kommunikationsprodukte herzustellen, die mit Interaktion, Vernetzung oder Kollaboration funktionieren.“

So entstehen Arbeiten wie die „Kinetische Skulptur“, eine bewegte Rauminstallation aus schwebend gleitenden Metallkugeln. Die Kugelformation interagiert anmutig im gegenseitigen Wechselspiel und mit dem sie umgebenden Raum. Für die Installation, die im BWM Museum München zu sehen ist, wurde dem Duo Sauter/Ängeslevä der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Den Antrieb für avantgardistische Ansätze schöpft das Duo aus verschiedenen Spannungsfeldern. Die Zusammenarbeit umspannt zwei Generationen: Während Ängeslevä digital sozialisiert ist, hat Sauter seine Ausbildung in der vordigitalen Zeit absolviert. Auch das Wechselspiel zwischen der Arbeit bei art+com und der Lehre an der UdK Berlin bezeichnen beide als fruchtbar. Als Besonderheit der UdK betont Ängeslevä die Schnittstelle zwischen Kunst und Design: „Die Klasse besteht zugleich aus Künstlern und Gestaltern. Das wirkt bereichernd und produktiv.“ Die universitäre Ausbildung an der UdK versucht nicht primär auf den Berufsalltag vorzubereiten, sondern die neuen Medien in ihren Eigenheiten experimentell zu erforschen. „Das hat den Vorteil, dass die Studierenden, wenn sie aus der Uni rauskommen, auch etwas über Speisen und nicht nur über Rezepte wissen“, vergleicht Sauter. Die Studenten sollen in der Lage sein, „sich selbst zu erneuern“ und neue Wege zu entdecken. Ängeslevä erklärt: „Wenn man was von den Speisen versteht, kann man in unterschiedlichen Küchen kochen.“

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