REISE Fieber : Geh mir aus der Sonne!

Unser Kolumnist Dr. Hartmut Wewetzer hat drei Wochen Urlaub. Solange schreibt Dagny Lüdemann über Gesundheitsgefahren im Sommer.

Dagny Lüdemann

Dass Sonnenbrand unsere Zellen schädigt und langfristig Hautkrebs verursachen kann, hat sich herumgesprochen.

Und: Wer regelmäßig Sonnencreme benutzt, wird trotzdem braun. Auch im Schatten. Die Bräune hält sogar länger, da die Haut sich nicht schält, um die abgestorbenen Zellen abzuschütteln. Doch leider ist es ein Mythos, dass Bräune vor Hautkrebs schützt. So schmerzlich es klingt: Braun werden ist ungesund und lässt die Haut schneller altern.

Sonnenstrahlung besteht neben dem sichtbaren Licht aus Infrarotstrahlen und ultravioletten Strahlen. UVA und UVB schädigen die Zellen auch dann, wenn es nicht zum Sonnenbrand kommt. „Einige Zellen sterben ab und können nicht zu Krebszellen entarten“, erklärt Gerd Pfeifer, der seit 20 Jahren am City of Hope Medical Center in Kalifornien forscht. Gefährlich sind die Zellen, die den Sonnenbrand überleben. Ihr Erbgut ist geschädigt. Die Mutationen werden bei der Bildung neuer Zellen kopiert und weitergegeben. „Diese Fehler im Erbgut finden wir nach Jahrzehten in den Krebszellen unserer Patienten“, sagt Pfeifer.

Zwar bildet die natürliche Bräune einen Schutz, indem sich das Pigment Melanin um den Zellkern legt, wo die empfindliche Erbsubstanz DNS drinsteckt. Dunkelhäutige bekommen daher seltener Hautkrebs. Doch auch dieser im Laufe der Evolution entstandene Schutz ist nicht auf exzessive Sonnenbäder ausgelegt. Kein anderes Säugetier würde sich freiwillig bei brütender Hitze in die Sonne legen!

Wer trotz allem nicht darauf verzichten will, sollte also wenigstens einen Hut tragen, nicht ohne Sonnenschirm an den Strand gehen und Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen. Dabei kommt es auch darauf an, dass die richtigen Strahlen herausgefiltert werden. Gerd Pfeifer und seine Kollegen haben gerade herausgefunden, dass UVB-Strahlen gefährlicher sind als gedacht. „Zellschäden durch UVB-Licht werden vom Körper langsamer repariert“, schreiben sie im US-Fachjournal für Experimentelle Biologie „Faseb“ (Band 22, Seite 2379). „Das heißt aber nicht, dass UVA-Strahlen harmlos sind.“

Und noch ein Mythos hält sich hartnäckig: Die Strahlung im Solarium sei gesünder als die Sonne. Viele wollen sich hier sogar für den Urlaub vorbräunen. Ein fataler Irrglaube, denn die künstliche Strahlung erreicht tiefere Hautschichten als die Sonne, die dann ungehindert an der Hautoberfläche Zellen zerstören kann. Außerdem wird in Solarien UVA-Licht in extrem hohen Dosen eingesetzt. UVB-Strahlen, die schneller zu Verbrennungen führen, werden herausgefiltert. „So halten es die Leute auf der Sonnenbank länger aus als am Strand – und schädigen ihre Haut um ein Vielfaches mehr“, sagt Pfeifer.

Dass mehr Skandinavier an Hautkrebs sterben als Südeuropäer oder Asiaten liegt auch an ihrer Tradition, mit Sonne umzugehen. Spanier machen nicht ohne Grund eine Siesta, ziehen tagsüber die Rolläden zu und sitzen im Café im Schatten. Und wenn die krebsroten Touristen zum Abendessen in ihren Hotels verschwinden, wagen sie sich erst an den Strand.

Dagny Lüdemann arbeitet im Wissenschaftsressort des Tagesspiegels und betreut die Gesundheitsseite im Berlin-Teil.

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