REISEFieber : Zu viel Sonne abbekommen?

Unser Medizinkolumnist Dr. Hartmut Wewetzer hat drei Wochen Urlaub. So lange schreibt Dagny Lüdemann über Gesundheitsgefahren im Sommer.

Dagny Lüdemann

Vielleicht hatten Sie auch schon mal einen Sonnenstich – und haben es gar nicht gemerkt. Alles fängt damit an, dass einem nach einem langen Strandtag oder einem Ausflug zum Badesee plötzlich übel ist. Schwindel, Kopfschmerzen, das ganze Programm. Natürlich könnte man jetzt noch denken, daran sei die Karaffe Sangria schuld – nachmittags in der Strandbar. Oder vielleicht die paar Bier zum Grillfleisch. Doch spätestens wenn die Füße eiskalt werden, der Kopf glüht und der ganze Köper nur noch zittert, steht fest: Das ist ein Sonnenstich.

In leichteren Fällen hilft es, viel Wasser zu trinken. Außerdem Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen. Ein Sonnenstich entsteht, weil die Strahlung so lange auf den Kopf scheint, bis die Hirnhäute gereizt sind und anschwellen. Im Extremfall kann das zur Bewusstlosigkeit führen und muss im Krankenhaus behandelt werden. Mit Kleinkindern, die plötzlich Fieber bekommen, sollte man sofort zum Arzt gehen. Bei ihnen kann sich aus dem Sonnenstich eine schwere Hirnhautentzündung entwickeln. Natürlich lässt sich all das verhindern, indem man sich und sein Kind in den Schatten setzt …

Etwa ganz anderes ist ein Hitzschlag. Dazu kommt es, wenn im Körper ein Wärmestau entsteht, zum Beispiel bei zu großer Anstrengung. Normalerweise kann der Mensch Hitze durchs Schwitzen ausgleichen – wenn er genug Wasser trinkt. Denn während Flüssigkeit auf der Haut verdunstet, entsteht Kälte. „Schwitzen kann man trainieren“, sagt Karl Kirsch, Professor am Physiologischen Institut der Charité. Außerdem ist der Salz-Wasser-Haushalt bei Durchtrainierten ausgeglichener, und sie verlieren nicht so schnell Mineralien. „Einmal in der Woche Sauna und dazu regelmäßig Sport reichen aus, um die Schweißdrüsen anzuregen“, sagt Kirsch, der die Anpassungfähigkeit von Menschen unter Extrembedingungen erforscht. Wer diese Tipps befolgt, schwitzt auch an Armen und Beinen, was zusätzliche Abkühlung bringt.

Wer allerdings einen Marathon bei 30 Grad im Schatten läuft, kann gar nicht schnell genug schwitzen. Und Frauen sind schon deshalb hitzeempfindlicher, weil sie weniger Schweißdrüsen haben. Steigt die Körpertemperatur auf 43 Grad an, versagen Herz und Kreislauf – ähnlich wie bei einem Schock. Bei so einem Hitzschlag muss sofort der Notarzt unter 112 gerufen werden.

Doch bereits bei 41 Grad Celsius Körpertemperatur setzt so manche Gehirnfunktion aus. Wenn Sportler also nicht mehr reagieren, wenn man sie anspricht, und sie apathisch weiterlaufen, ist das ein Alarmsignal. Ist jemand nur leicht überhitzt, reicht es, ihn mit kühlenden Tüchern abzureiben. Doch Vorsicht, sonst droht eine Unterkühlung: „Bei Patienten mit Hitzschlag ist die natürliche Temperaturregulation komplett ausgefallen“, erklärt Kirsch.

Aber auch völlige Bewegungslosigkeit kann zum Hitzschlag führen. Ältere Menschen und kleine Kinder, die nicht selbst laufen können, finden keine Abkühlung. Darauf, dass sie genug trinken und im Schatten sitzen, müssen andere achten.

Dagny Lüdemann arbeitet im Wissenschaftsressort des Tagesspiegels und betreut die Gesundheitsseite im Berlin-Teil

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