Zeitung Heute : Reiseliteratur: Tausche Bettdecke gegen Schlafsack und Zelt

Petra Gall

"Wir fahren nach Südamerika. Bist du dabei?" Zwei knappe Sätze, die das Leben von Andreas Hülsmann verändern sollten. Nicht, dass sein Job als Journalist langweilig wäre, aber es fehlte der richtige Kick. Wollte er weiter im alten Trott leben - aufstehen, arbeiten und von Abenteuern in fremden Ländern nur träumen? Als der Anruf von Birgit und Jo kam, musste er sich entscheiden. Eine Weile kämpfte seine Existenzangst mit dem Fernweh, dann kam ihm der erlösende Einfall, ein Ausstieg auf Zeit, ein halbes Jahr Auszeit. Atacama-Wüste, Patagonien, Feuerland, das Ende der Welt. Schneebedeckte Andenpässe, grandiose Gletscher, windumtoste endlose Weite.

Das ersehnte Abenteuer auf zwei Rädern ist plötzlich realer Alltag, der Trott passt sich dem Abenteuer an: auspacken, Zelt aufbauen, einpacken, Zelt abbauen. Auch eine Traumreise ist nicht immer frei von Routine. Und die Zeit? Sitzt allen im Nacken. Weil sie jeden Punkt, den sie auf der Landkarte markiert hatten, binnen einer bestimmten Zeit erreichen wollen. Wanderungen und ein Pferdetreck schaffen einen Ausgleich zu der Kilometerfresserei und wirken psychischen Verschleißerscheinungen entgegen, vor allem der mitunter monoton empfundenen Abfolge von Fahren - Ortschaft - Zeltplatz - Nationalpark. Schade, dass im Gegensatz zu den ausführlichen Beschreibungen von Zeltplatzsuche und Packorgien Länder und Leute nur kurze Impressionen bleiben. Wenn es anfängt interessant zu werden, spulen sie bereits die nächsten Kilometer ab. Wer vor hat, seine Bettdecke gegen den Schlafsack zu tauschen, findet aber allemal Anregungen für die Traumreise.

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