Zeitung Heute : Reiseorganisation: Undogmatisch pauschal

Die Urlauber aus Deutschland geben die Organisation ihrer Reisen immer öfter aus der Hand. "In den kommenden zehn Jahren wird der Anteil der Veranstalter-Reisen für das In- und Ausland von derzeit 44 auf dann 60 Prozent steigen", sagt der Geschäftsführer der Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F. U. R.), Peter Aderhold, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Im gleichen Zeitraum wird die Zahl der Urlaubsreisen von 63 Millionen im Jahr 1999 auf 80 Millionen jährlich klettern, wenn sich an der wirtschaftlichen Lage in Deutschland nichts Schwerwiegendes ändert, ergab die Reiseanalyse 2001 der F. U. R., die seit 30 Jahren den Urlaubsmarkt in Deutschland untersucht.

Es gebe mehrere Gründe für den Zuwachs bei der Pauschalreise, hat Aderhold herausgefunden. "Sie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiter entwickelt und setzt nun auf verschiedene Bausteine, die sie individueller werden lässt." Der Kunde sei nicht mehr gezwungen, ein Angebot von der Stange zu nehmen, sondern könne sich seinen Urlaub aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten so zuschneiden, wie er es gern haben möchte.

"Gleichzeitig sind die Reisenden erfahrener geworden", glaubt Aderhold erkannt zu haben. "Sie kommen am Urlaubsort an, wohnen zwar im gebuchten Hotel, machen sich aber dann individuell mit einem Mietwagen auf die Entdeckungsreise." Inzwischen hätten die Urlauber aus Deutschland die "teils dogmatische Scheu vor Pauschalreisen verloren. Vor allem die jungen Menschen gehen ausgesprochen unkompliziert damit um."

Derzeit sind 56 Prozent der mehrtägigen Reisen ins Ausland über einen Veranstalter organisiert, in zehn Jahren werden es etwa 70 Prozent sein, sagt Aderhold. Auch im Inland geht er von einem deutlichen Wachstum aus: Sind derzeit 14 von hundert Inlandsreisen bei einem Veranstalter gebucht, sollen es in zehn Jahren 25 sein. Inzwischen haben sich nach seinen Forschungsergebnissen auch die Unterschiede im Reiseverhalten zwischen Ost- und West-Deutschland nahezu ausgeglichen.

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