Zeitung Heute : Reiseplanung im Internet: Auf den letzten Drücker: Last Minute im WWW

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Schnell mal weg, um den Launen des hiesigen Wetters zu entfliehen - wer verfällt bei diesem Gedanken nicht auf Last Minute. Der Abflug in die Sonne - oft, allerdings nicht immer, versüßt mit einem Preisnachlass - kann ja seit einigen Jahren in "letzter Minute" gebucht werden. Diese "Erfindung" haben die Reiseveranstalter nun wahrlich nicht gemacht, um denjenigen, die plötzlich feststellen, dass sie reif für die Insel sind, entgegen zu kommen. Last-Minute-Reisen sind immer, oder besser, sollten immer Restposten sein, auf denen der Veranstalter fürchtet sitzen zu bleiben. Also muss er sie etwas günstiger losschlagen als vorher im Katalog angeboten. Damit wird in der Regel auch noch Geld verdient, manche Branchenkenner behaupten sogar: gutes Geld. Gescheit ist die Idee in jedem Fall, denn jeder eingekaufte Flugsessel, jedes reservierte Hotelbett muss vom Veranstalter bezahlt werden, ganz gleich, ob er seinerseits einen Käufer für diese Ware findet oder nicht. Selbst wenn das Reisepaket unter dem Einkaufspreis abgegeben wird, was selten der Fall ist, darf der Veranstalter letztlich noch zufrieden sein. Nur unterm Strich des Gesamtverkaufs muss die Marge stimmen. In der Reisebranche herrscht also, wenn man so will, ein ständiger Sommer-Schluss-Verkauf.

Als besonders segensreich für dieses kurzfristige Geschäft wurde dereinst eine andere "Erfindung" angesehen: das Internet. Da geht alles so fix und bequem, geradezu ideal fürs Geschäft auf den letzten Drücker mit leicht verderblicher Ware. Sollte man meinen. Doch ach, hinter jeder Internetseite sitzt leider auch ein Mensch, schlimmer noch, mehrere Menschen basteln an diesen so genannten Auftritten. Und diese Bastler denken, sozusagen systembedingt, oft anders als die, die mit dem Produzierten zurechtkommen sollen. Was man bei manchen Anbietern erleben darf, raubt manchem Internet-Surfer den letzten Nerv. Alles fein säuberlich eingegeben: gewünschter Abflughafen - Berlin-Tegel, Ziel - Heraklion, Hotelkategorie - drei bis vier Sterne, Zeitschiene - 30.06. bis 07.07. Und ab die Post! "Heraklion - Ooops, leider kein Angebot." Wie bitte?

"84 000 Angebote" stand doch vorhin da. Die Woche soll es aber sein. Mit Sonne bitte. Wenn nicht Kreta, dann eben was anderes. Also noch Mal: Tegel, Datum, Hotelkategorie, Zielort - egal. Oh je. 388 Angebote. Mallorca, Mallorca, Mallorca, Ischia, Mallorca, Ischia, Mallorca, Mallorca ... Puhh. Na, schaun wir mal. Paguera, Hotel: gehobene Kategorie, 637 Mark. Ja, warum nicht, sagt sich einer, der noch nie auf Mallorca war. "Verfügbarkeit" soll man nun anklicken. Ok. "Dieses Angebot ist leider nicht mehr verfügbar." Also Alcudia, 775 Mark, gehobene Kategorie. Verfügbarkeit? Fehlanzeige. Wie jetzt? Palma, einfache Kategorie, 456 Mark. Wenns denn sein muss. "Abflughafen Leipzig." Ja aber ich habe doch ... Da stehen also Dinge sozusagen im Regal, aber eigentlich doch nicht? Und niemand, den man beschimpfen könnte. Schon allein deshalb lohnt sich wohl der Weg ins Reisebüro.

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