Zeitung Heute : Reiserecht: Aktuelle Urteile

Bestohlen. Wird ein Urlauberehepaar im Ausland bestohlen und verzichten es auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse auf eine Anzeige bei der örtlichen Polizei, so kann die Versicherung die Leistungen verweigern, da es dem Ehepaar zuzumuten gewesen wäre, einen Dolmetscher einzuschalten. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 222 C 36967/98) W. B.

Abflug. Verschiebt ein Reiseveranstalter, der mit "konkreten, komfortablen Abflugzeiten" wirbt, dennoch die Uhrzeit um rund zehn Stunden, so hat er den Reisepreis (hier: um 83,67 Mark) zu mindern. Mit der Zusicherung der genauen Abflugzeit hat er sich gegenüber seinen Mitbewerbern, die nur den Abflugtag ausweisen, einen "Wettbewerbsvorteil" verschafft; die sonst gewährte "Warte-Kulanz" von vier Stunden bleibt unberücksichtigt. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 3 C 617/98) W. B.

Gepäckverlust. Muss ein Ehepaar auf einer Rundreise (hier: durch Südafrika) wegen eines Organisationsfehlers des Reiseveranstalters vier Tage lang auf sein Gepäck verzichten, so muss der Veranstalter 25 Prozent der anteiligen Reisekosten (hier: 575 Mark bei einem Gesamtreisepreis von 6300 Mark) für jeden Tag als "Ausgleich für die Beeinträchtigung des Reisegenusses" zahlen. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 32 C 3141/99-84) W. B.

Ansprüche. Wer für eine Gruppe (von hier 39 Personen) eine Reise bucht, der wird dadurch nicht automatisch "Ausrichter" - mit der Folge, dass er nicht das Recht hat, für einzelne Mitglieder der Reisegruppe, die - wenn auch berechtigte - Beanstandungen vorzubringen hatten, die Verhandlungen über eine nachträgliche Minderung des Reisepreises führen; jeder einzelne muss seine Ansprüche separat geltend machen. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 690/98) W. B.

Meerblick. Zeigt ein Reisekatalog ein Zimmer mit Meerblick, verbringen Kunden darin noch lange nicht ihren Urlaub. Eine solche Prospektaussage sei eine "bloße mögliche Leistungsbeschreibung", so der Saarbrücker Reiserechtler Volker Bellaire unter Hinweis auf ein Urteil des Amtsgerichts Stuttgart Bad Cannstatt (Aktenzeichen: 7 C 3927/95) aus aktuellem Anlass. Seit diesem - im Februar 1996 ergangenen - Richterspruch klagen Urlauber in solchen Fällen erfolglos. Um Recht zu bekommen, müssen sie bei der Buchung ihren Zimmer-Wunsch "ausdrücklich vertraglich vereinbaren." tdt

Heizung. Bucht ein Reisender für Monat Juni eine Reise nach Italien mit Unterbringung - nach Prospekt - in einem "erstklassigen Haus", und zieht sich der Reisende wegen einer fehlenden Heizung bei gleichzeitiger Außentemperatur von zehn Grad Celsius eine Erkältung zu, so kann er nach fruchtloser Reklamation kündigen und Rückerstattung des Reisepreises vom Reiseveranstalter verlangen, auch wenn dieser sich in seinen Reisebedingungen für die vertragliche Leistung auf die Angebotsseiten des Prospektes unter Berücksichtigung der Landesüblichkeit beruft. Bei einem ausdrücklich "erstklassigen Haus" kann der Reisende davon ausgehen, dass Heizmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Reisende muss nicht mit den Besonderheiten italienischer Heizungsbräuche rechnen. (Landgericht Hannover, Aktenzeichen: 3 S 167/85) Tsp

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