Reiserecht : Nicht alles inklusive

Viele Reisende sitzen derzeit noch an ihrem Urlaubsort fest, andere können ihre Ferien gar nicht erst antreten. Wie reagieren die Reiseveranstalter, und welche Rechte haben ihre Kunden?

Die Kanzlerin hat’s vorgemacht, die ersten Pauschalurlauber folgen. Auf allen möglichen Wegen versuchen die Reiseveranstalter, die gestrandeten Gäste nach Deutschland zurückzubringen. So lässt Europas größter Reiseveranstalter Tui Urlauber, die auf Mallorca oder Gran Canaria festsitzen, per Flugzeug nach Barcelona bringen. Von dort geht es mit dem Bus Richtung Norden. Auch die Konkurrenten von Thomas Cook (Neckermann, Air Marin) und Rewe (Dertour, ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg, Meier’s Weltreisen) nutzen jedes Zeitfenster, um Gäste auszufliegen oder chartern Busse.

Neue Urlauber kommen derzeit in den Feriengebieten nicht an. Alle Flugreisen wurden am Montag abgesagt. Die betroffenen Kunden können wählen, ob sie das Geld für die Reise zurückhaben oder gebührenfrei einen anderen Trip buchen wollen. Tui teilte mit, es werde keine Abflüge aus Deutschland bis Dienstag 24 Uhr geben. Thomas Cook wartete noch ab. Rewe blies zunächst sämtliche Flugpauschalreisen ab, die am heutigen Dienstag beginnen sollten. Am Abend hieß es dann, einige Flugreisen könnten heute doch möglich sein. Betroffene wurden gebeten, sich über Veranstalter-Hotlines und -Webseiten zu informieren.

Was mit den Zwangsurlaubern geschieht, die in ihren Ferienorten festsitzen, hängt vom Veranstalter ab. Während Thomas Cook und Tui bis auf Weiteres die Hotelkosten übernehmen, müssen Touristen, die mit FTI unterwegs sind, seit Sonntag ihr Hotel selbst zahlen. Rewe übernimmt nur zwei Übernachtungen, alle Anschlussnächte muss der Kunde aus eigener Tasche begleichen.

Rechtlich ist das nicht zu beanstanden. Denn eigentlich müssten die Veranstalter die zusätzlich anfallenden Hotelkosten für die Zwangsferien überhaupt nicht übernehmen, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Der Vulkanausbruch ist ein Fall von höherer Gewalt“, sagt die Verbraucherschützerin. Wird der Rücktransport teurer, müssen sich Veranstalter und Kunde die Mehrkosten teilen. Aber nicht immer: Wer sich, statt direkt nach Berlin zu fliegen, mit Schiff, Zug und Bahn durch Europa quält, kann hinterher den Reisepreis mindern. Ein kleiner Trost.

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