Zeitung Heute : Reiserecht: Verzichtserklärung am Urlaubsort - nicht statthaft?

Auskunft: Deutsche Anwaltauskunft[Telefon: 018 05]

Immer wieder kommt es zu Unzufriedenheit der Urlauber wegen Mängel am Urlaubsort. Häufig versuchen neuerdings Reiseveranstalter, solchen Mängelrügen vor Ort dadurch zu begegnen, dass sie den Reisenden eine "Gratisleistung" als Ausgleich zur Verfügung stellen, teilt die Deutsche Anwaltauskunft, ein Service des Deutschen Anwaltvereins (DAV), mit. Das könne ein Mietwagen oder eine Exkursion sein, gelegentlich würden auch Geldbeträge angeboten.

Im Gegenzug müsse der Reisende eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er auf die nachträglichen Minderungs- und Schadenersatzansprüche verzichte. Derartige Vereinbarungen sind nach Meinung vieler Gerichte unzulässig, so die Deutsche Anwaltauskunft (Urteile: Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 116/84, Oberlandesgericht Düsseldorf Aktenzeichen: 18 U 123/91, Landgericht Kleve Aktenzeichen: 6 S 444/91).

Europas größter Reiseveranstalter praktiziert das Verfahren der Entschädigung vor Ort bei Mängeln bereits seit zwei Jahren. Mit Erfolg, wie es in Hannover heißt. ZAK - zügige Abhilfe und Kulanz - werde von den Kunden gut angenommen, die Zahl der prozentual ohnehin geringen Fälle von Reisen mit gerichtlichem Nachspiel sei "erheblich" zurück gegangen.

Der Reisende, der am Urlaubsort Mängel vorfindet, befinde sich in einer gewissen Ausnahmesituation. Jegliche Art von Unterdrucksetzen durch den Reiseveranstalter solle vermieden werden. Insbesondere müsse dem Reisenden nach Abschluss der Reise die Möglichkeit eingeräumt werden, in Ruhe darüber nachzudenken, ob er den Rechtsschutz inländischer Gerichte suchen will. Mit anderen Worten sei der Reisende, der eine solche Erklärung am Urlaubsort unterschrieben hat, nicht daran gehindert, seine Ansprüche in einem Prozess durchzusetzen. Er müsse sich lediglich den Wert der am Urlaubsort empfangenen "Ersatzleistung" auf seine Forderung anrechnen lassen. In Streitfällen benennt die Deutsche Anwaltauskunft einen versierten Anwalt aus bundesweit 52 000 Adressen.

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