Zeitung Heute : Rekord ohne Wirkung

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Am Guinnessbuch der Rekorde hat Peter Röhle kein Interesse mehr. „Es ist schon eine Weile her, dass ich da mal reingeschaut habe“, sagt der Trainer der Wasserfreunde Spandau 04. Früher, in den 80er Jahren, war das Buch für ihn noch von größerem Reiz. Schließlich wird der deutsche Wasserball- Rekordmeister darin aufgeführt. Unter der Rubrik „Erfolgreichste Vereine bei den Männern“ stehen die 101 ungeschlagen überstandenen Bundesligaspiele zwischen dem 10. September 1980 und dem 12. Juli 1983 bis heute. Eine Marke aus der großen Zeit des deutschen Wasserballs, von der die heutige Generation nur träumen kann. Die Distanz zum Heute ist es, die dem ehemaligen Torhüter von Weltklasse die Lektüre verleidet.

„Das bringt doch nichts“, sagt Peter Röhle, „wir müssen jetzt den Rückstand wieder verkürzen.“ Was als Maßstab zählt, ist die Champions League, in der die Spandauer in dieser Saison nur Punktelieferant waren. „Darum hatten wir uns vorgenommen, wenigstens die Bundesliga-Vorrunde ohne Minuspunkt zu überstehen. Deshalb ärgert mich das 11:11 in Cannstatt.“ Der Trainer beklagt Disziplinlosigkeiten. „Wie kann Thomas Schertwitis den Schiedsricher mit Wasser bespritzen, weil er mit einem 4-m-Pfiff nicht einverstanden ist? Dafür fliegt er raus, und wir müssen in Unterzahl spielen. Zukünftig gibt es drastische Strafen“, schimpfte Röhle.

In solch einer Situation kann dem Trainer auch der Rekord aus dem Guinnessbuch nicht helfen. Natürlich könnten die Spandauer, die in der Meisterschaft bei 19 ungeschlagenen Spielen stehen, diese Marke überbieten, aber dann müsste alles stimmen, auch außerhalb des Wassers.

Momentan wissen sie nicht einmal, wo sie Mitte Juni das Play-off-Halbfinale spielen dürfen. Das eigene Bad am Olympiastadion ist derzeit nicht benutzbar und soll geschlossen werden, die Schöneberger Schwimmhalle ist zu diesem Zeitpunkt zu und Ausweichvarianten wie Spandau-Süd oder die Halle im Sportforum wären keinesfalls ideal. Der Heimvorteil wäre dann kaum noch einer. Heute erhoffen sich die Spandauer eine positive Nachricht vom Berliner Sportsenator Klaus Böger (SPD), dass es eine bessere Lösung gibt. Dass alte Meriten bei seiner Entscheidung nicht zählen, wissen sie längst. Ihr Desinteresse am Guinnessbuch kommt wohl auch daher.Hartmut Moheit

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