Renaissance der Industrie : Duschen über den Wolken

Für den Airbus 380 fertigt Franke Aquarotter innovative Toilettensysteme.

Annette Leyssner
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Wer sich hoch über den Wolken im weltgrößten Passagierflugzeug A380, dem Ferienflieger A320 oder anderen Modellen der Airbus-Familie die Hände wäscht, kommt mit Technik aus der Region Berlin-Brandenburg in Berührung. Die Sanitärsysteme für die Waschräume des Flugzeugherstellers produziert die Franke Aquarotter AG. „Bei der Entwicklung der Armaturen kommt es auf jedes Gramm Gewicht an, um Treibstoff zu sparen“, sagt Oliver D. Gessert, Leiter des Geschäftsbereichs „Mobile Systeme“.

Für die Sanitärarmaturen beim A380 wurden daher statt des herkömmlichen Messings die Materialien Aluminium, Titan und Kunststoff verwendet. Eine weitere Herausforderung bestand darin, möglichst wassersparende Konstruktionen zu entwickeln. Maximal kann der Flieger 2,4 Tonnen Wasser an Bord nehmen, was dem Inhalt von etwa 14 Badewannen entspricht. Diese an sich gewaltige Menge muss ausreichen, um den bis zu 840 Passagieren auf einem Interkontinentalflug das Händewaschen oder Zähneputzen zu ermöglichen. Während durch einen herkömmlichen Wasserhahn im Durchschnitt acht Liter Wasser pro Minute laufen, kommt das von den Ingenieuren in Ludwigsfelde entwickelte System mit anderthalb Litern aus. „Das Strahlbild ist wichtig. Der Reisende darf nicht den Eindruck haben, es tröpfele nur“, sagt Gessert. Spezielle Siebe im Auslauf des Hahns erzeugen nun trotz der geringen Durchlaufmenge den Eindruck eines vollen Strahles.

Die Franke Aquarotter AG erhielt für dieses Waschsystem auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung einen Innovationspreis. „Das Unternehmen ist ein sehr gutes Beispiel für die Partnerschaft von Mittelstand und Global Players, wie in diesem Fall Airbus“, würdigte Professor Andreas Gebhardt, Vorsitzender der Lilienthal-Preis-Stiftung, das Entwicklungsteam.

Eine weitere Herausforderung war es, Sonderwünsche der A-380-Käufer zu erfüllen. „Die Fluggesellschaften wollen sich grade im Bereich First Class voneinander abheben“, sagt Gessert. Franke Aquarotter hat für Emirates, die Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, das Innenleben für die exklusive Toilette entwickelt. Gessert ist stolz auf eine Weltpremiere: die erste in einem kommerziellen Flugzeug eingesetzte Dusche.

Dass Produkte ihrer Unternehmen einmal zwischen Dubai und New York oder Singapur und Sydney hin- und herfliegen würden, hätten sich die Väter der Firma kaum träumen lassen. Der Kreuzberger Metallwarenhändler Friedrich Butzke ließ sich 1932 den „kolbenlosen Druckspüler“ patentieren; der Friedenauer Walter Rotter wurde bekannt für seine steinernen Waschrinnen. Beide Betriebe sind aufgegangen in der Firma „Franke Aquarotter AG“, die heute rund 260 Mitarbeiter beschäftigt. Die Hersteller weiterer Komponenten des Airbus stammen ebenfalls aus der Region: Auch Software, Mikrofone und Kopfhörer für das Cockpit und andere Elektronikbausteine wurden in Berlin und Umland entwickelt. Nach Angaben des Branchenverbandes ist die Region in den letzten Jahren nach München und Hamburg zum drittgrößten deutschen Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie geworden; rund 16 000 Menschen arbeiten in mehr als 60 Unternehmen.

Die Franke Aquarotter setzt nicht allein auf die Luftfahrt: Das Unternehmen beliefert Industriekunden sowie öffentliche Einrichtungen. Auf Raststätten sind die vandalensicheren Waschtische und Toiletten aus Edelstahl oder Granit genauso gefragt wie in Strafvollzugsanstalten, von Deutschland bis Neuseeland.

www.franke-aquarotter.de

Die Fluggesellschaften wollen sich gerade im Bereich First Class voneinander abheben. Wir sind stolz auf eine Weltpremiere: die erste in einem kommerziellen Flugzeug

eingesetzte Dusche.“

Oliver D. Gessert,

Bereichsleiter

Franke Aquarotter

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